Startseite Tourismus Rominter Heide
Russian (CIS)
Rominter Heide Drucken E-Mail
Array Array
Stauwehr am Fluss Sinjaja nicht weit von Krasnolesje (Gross Rominten)
Das Kaliningrader Gebiet ist reich an landschaftlichen Sehenswürdigkeiten: hohe Sanddünen auf der Kurischen Nehrung, die das fischreiche Kurische Haff mit einer schmalen Halbinsel von der Ostsee trennt; das flache Tiefland des Memeldeltas (Neman), Polder, die von jeher zu Weiden und Wiesen umgestaltet  wurden, um sie landwirtschaftlich zu nutzen; hohe Steilhänge an der Ostsee; Sümpfe, die ihre natürliche Form behielten. Oft wurde die Geschichte dieser ländlichen Orte mit der ihrer Menschen verflochten, die hier auf diesem reichen und wunderschönen Land zu verschiedenen Zeiten lebten.
Wahrscheinlich kennen viele die Rominter Heide  nur vom Hörensagen und können sich nicht vorstellen, dass dieses Heideland wohl eines der attraktivsten und rätselhaftesten Orte des Kaliningrader Gebietes ist. Die Heide befindet sich auf den Höhen des Wystiter Hügellandes, das vor über 10.000 Jahren durch eiszeitliche Moränen entstand.
Der Wald des Wystiter Hügellandes im Kaliningrader Gebiet und im Suwalkser Hügelland auf  polnischer Seite bildet trotz der Grenze, die den Wald teilt, ein einheitliches Waldgebiet, das bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges „Rominter Heide“ hieß und sich heute Krasnij Les in Russland und Puszcza Romincka in Polen nennt. 
Noch während des Ritterordens vom XIII. bis zum XV. Jahrhundert war sie ein Teil der sogenannten „Großen Wildnis“, die östlich und südöstlich die Grenzen des Ordensstaates umschloß und seine Länder vor den litauischen Raubzügen schützte. 
Diese Urwälder mit dem Dickicht, den Wiesen und den Sümpfen waren das einzige Zuhause für die vielen Wildtiere. Einst lebten hier solche großen Tiere wie Bären, Auerochsen und Wisente, die durch eine intensive Jagd ausstarben. Die Jagd brachte nämlich diesem malerischen und reichen Wald einen besonderen Ruhm. 
Array Array
Gedenkstein in Raduschnoje (Rominten)
Seit den Zeiten des Teutonischen Ordens jagten hier die Adligen. Ende des XIX. Jahrhunderts verwandelte Kaiser Wilhelm II. das Jagdgebiet Rominter Heide in ein Naturschutzgebiet. Das war die beste Zeit in der Geschichte der Heide, die  ihre Wandlung bewirkte. 
Charakteristisch für die Rominter Heide war neben den Naturschätzen auch der architektonische Stil der Bauten, der von  Wilhelm II. nach seiner Reise durch die nördlichen Länder initiiert wurde. 1891 wurde mitten in der Heide im Dorf Rominten am Ufer des Flusses Rominte (heute „Reka Krasnaja“) ein Jagdschloss aus Holz im norwegischen Stil errichtet. 
Des Kaisers Leidenschaft für solch einen Baustil spiegelte sich in den weiten architektonischen Wandlungen wider. 1893 wurde neben dem Schloss die Holzkapelle St. Hubertus im norwegischen Stil gebaut. 1909 errichtete Richard Friese eine Bronzeskulptur von einem großen Rothirsch. Das war der majestätischste Hirsch, den Kaiser Wilhelm II. in der Rominter Heide erlegt hatte. 
Der Hirsch wurde zu ihrem Wahrzeichen. Der Rothirsch, der in dieser Gegend verbreitet ist, wurde nicht zufällig als Rominter Hirsch bezeichnet. Von den Hirscharten unterscheidet  sich der Rothirsch durch eine besondere Form  seines weitverzweigten Geweihs. Dieses Hirschgeweih hängt sowohl im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg als auch in anderen Museen Deutschlands, deren Sammlungen dem Jagdgebiet Rominter Heide gewidmet sind.
Heute sind vom Jagdhaus und der Kapelle St. Hubertus wie auch von vielen anderen Bauten leider nur Fundamente übrig geblieben, die an jene Zeiten erinnern. Falls Sie irgendwann mal  Kaliningrad besuchen, dann können Sie im Zentralpark in der Nähe der St. Luisen-Kirche ein Holzhaus sehen. Das ist ein Flügel des Jagdschlosses, der in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ausgebaut und in die Gebietshauptstadt gebracht wurde. Sehr stark verändert, ohne Klinkerschornsteine, Ziegeldach und geschnitzte Holzdrachen, die das Dach schmückten, erinnert das Schloss nur noch entfernt an den majestätischen Bau, der in Rominten einmal stand. 
Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Rominter Heide eine der tragischsten  Seiten ihrer Geschichte, als sie 1945 durch die russisch-polnische Staatsgrenze zerschnitten wurde. Die Einwohner wurden deportiert und die Rominter Heide wurde wie alle anderen Wälder des Kaliningrader Gebietes dem Ministerium für Forstwirtschaft übergeben. Im Jahre 1951 wurde bereits ein gutes Drittel aller Tannenbäume in der Rominter Heide gefällt.
Gleichzeitig begannen die Arbeiten zur Wiederherstellung der Wälder, was zur Verdoppelung des Waldgebietes im Südosten des Kaliningrader Gebietes führte. Jetzt ist es eins der größten Waldgebiete am Ufer des Wystiter Sees, des größten, tiefsten und saubersten Sees in diesem Gebiet. Dieser majestätische See  eiszeitlicher Herkunft,  der Wald mit den höchsten Bäumen in der Region, die Sümpfe und die sauberen Flüsse stellen trotz der heutigen Grenzen einen einheitlichen Naturkomplex im Länderdreieck Russland, Litauen und Polen dar. 
Der Wald hat eine wichtige Bedeutung zur Erhaltung seiner biologischen Vielfalt. Aus diesem Grunde wurden im litauischen und polnischen Teil Naturschutzgebiete eingerichtet. Und jetzt gibt es dank der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) ein Projekt zur Errichtung  eines Naturparks im russischen Teil dieses Naturkomplexes. 
Der Wystiter See, der 172 m über dem Meeresspiegel liegt, gilt nicht ohne Grund als eine besondere Sehenswürdigkeit dieses Gebietes. Vom russischen Ufer des Sees öffnet sich ein wunderschönes Panorama über einen Wasserspiegel von 16 Quadratkilometern bis hin zu den malerischen Hügeln der litauischen Uferseite. In dieser  Gegend wurden Werkzeuge aus der Steinzeit gefunden, einige der frühesten Spuren der ersten Menschen in Ostpreußen. Der See und der Fluss Krasnaja (Rominte), sind dank ihrer natürlichen Schönheit wahre Naturdenkmäler. Stellenweise fließt die Rominte unter Steinbrücken hindurch, die zur bequemen Jagd für den Kaiser gebaut wurden. 
Das Wystiter Hügelland mit der Rominter Heide, den vielen Seen, Flüssen, Sümpfen und Wiesen stellt zweifellos eine der malerischsten Gegenden des Kaliningrader Gebietes dar und gehört mit diesem landschaftlichem Reichtum zum einzigartigen Natur-, Geschichts- und Kulturerbe. Darüber berichtet die Ausstellung des Wystiter Museums für Ökologie und Geschichte (www.wystynez.ru), die in diesem Jahr einen festen Platz in der Siedlung Krasnolesje (früher: Groß Rominten) einnimmt. 
Im Mai wird im neuen Gebäude des Museums  ein Informationszentrum eröffnet, das nicht nur Auskunft  über die Geschichte und die Natur der Rominter Heide und ihrer Umgebung erteilt, sondern auch Informationen über  Dienstleistungen auf dem Gebiet des Tourismus gibt (Reiten, Angeln, Übernachtung, Führungen u. a. m.) Reichhaltig ist natürlich auch das Angebot an Souvenirartikeln.

Aleksej Sokolov

Zuletzt aktualisiert am Montag, 11. April 2011 um 12:20 Uhr
 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren