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Man kann auf unterschiedlichste Art und Weise reisen. F?r die meisten Menschen ist der Begriff „Tourismus“ jedoch mit der Urlaubszeit verbunden. In dieser Zeit greifen die meisten von uns zum Telefonh?rer und rufen Reiseb?ros an, um ein fertiges Szenario f?r die Erholung zu bekommen. Doch was ist, wenn wir entscheiden, selbst ?ber die eigene freie Zeit Regie zu f?hren? Heute sprechen wir ?ber eine der popul?rsten Gestaltungsm?glichkeiten der aktiven Erholung – den Fahrradtourismus. Das Kaliningrader Gebiet eignet sich hervorragend f?r Enthusiasten, die es mit dem Fahrrad erkunden wollen, um geschichtliche Denkm?ler, verlassene und unbekannte Wege kennen zu lernen. Man kann unz?hlige Routen f?r Fahrradtouren festlegen. Manche werden vielleicht zweifeln, warum sie das Fahrrad dem Automobil vorziehen sollen. Es ist klar, die Geschwindigkeiten lassen sich nicht vergleichen. Doch aus dem Fenster eines Autos verlieren die Eindr?cke ein Tausendfaches von ihrem Reiz. Diesen Vorteil des eindrucksstarken Erlebens haben das Wandern und das Radfahren gemeinsam. Dem begeisterten Fahrradtouristen Alexander Morozow erschien es banal und langweilig, ziellos in die Pedalen zu treten. So kam er vor zwei Jahren auf die Idee, interessante Orte zu finden, zu denen keine Schnellstra?e f?hrt und in denen kaum jemals ein Bus eines Touristikunternehmens stoppen w?rde. Diese Orte werden wohl niemals in Reisef?hrern verzeichnet sein. Man startete, um sich einmal in der Woche mit einem Freund auf eine kleine Expedition zu begeben. Es stellte sich heraus, dass eine solche „freie Suche“ weitaus interessanter ist, als die von Reiseb?ros angebotenen Touren. Dabei bemerkte man, dass das Kaliningrader Gebiet eine wahre „Terra Incognita“ ist. Man hatte den Eindr?ck, dass man die Welt neu entdecken w?rde. Dazu kam ein unbeschreibliches Freiheitsgef?hl. In den letzten zwei Jahren entwickelte Alexander mit seinem Freund Sergej mehr als 20 Fahrradrouten, entweder f?r einzelne Touristen oder in Gemeinschaft mit Gleichgesinnten. Zun?chst muss eine Grundidee da sein ?ber das Wohin, darauf folgt das Bekanntmachen mit einer ?rtlichen Karte, dann das Sammeln zus?tzlicher Informationen ?ber das Netz. Doch trotz genauer Planung kommt es oft zu unerwarteten Entdeckungen. Mal st??t man auf die Ruinen einer alten Kirche, von deren Existenz man nichts wusste, mal auf einen Triumphbogen, mal auf einen verlassenen Friedhof. Manchmal m?ndet ein Waldweg in einem breiten Bach. Dann tauscht man die Positionen: die Bikes werden auf dem R?cken durch das Wasser getragen. Manchmal sieht man sogar Elche, die dabei ganz furchtlos zuschauen. Einmal, sagt Alexander, landeten wir sogar auf einem milit?rischen Panzer?bungsgel?nde und gerieten fast in die Feuerlinie. Nat?rlich kann man solche Arten der aktiven Erholung zur Kategorie der Extreme z?hlen; nicht nur wegen der schwer befahrbaren Wege. Es kommt auch vor, dass man sich selbst verteidigen muss, denn schlie?lich sind es nicht immer friedfertige und gastfreundliche Menschen, die man auf dem Weg begegnet. Doch insgesamt ist die Bev?lkerung des Gebietes hilfsbereit, wenn es zum Beispiel darum geht, den Reisenden mit frischem Wasser aus dem Brunnen zu versorgen oder eine Wegbeschreibung zu geben. Es ereigneten sich auch einige lustige Begebenheiten. So geschah es, dass wir uns einmal entschieden, entlang der S?dgrenze des Gebietes zu fahren, erinnert sich Alexander. Wir fuhren mit dem Bus bis Prawdinsk (Friedland) und von dort mit den Fahrr?dern ?ber die Felder bis zum Dorf Zhelesnodorozhnoe (Gerdauen). Doch das ist schon Grenzgebiet. Wir ?berpr?ften unsere Lage anhand der Karte. Im Voraus entschieden wir uns f?r die Richtung Mamonowo, also nach Westen zu fahren. In diesem Augenblick ging an uns eine alte Dame vorbei. Ich fragte: "Gro?mutter, wie k?nnen wir nach Mamonowo gelangen? Sie zeigte in eine Richtung und ging. Also fuhren wir dorthin. Um uns herum dichter Wald, ab und zu gab es Waldlichtungen. Dann h?rten wir den L?rm eines Motors, ein UAZ (russischer Milit?rjeep) bremste genau vor unseren R?dern. Es stellte sich heraus, dass die alte Dame nach unserer Verabschiedung sofort die Sicherungswache der Grenze angerufen und zwei verd?chtige Personen gemeldet hatte, die in Richtung Polen unterwegs waren. Wir haben den Grenzbeamten die Lage erkl?rt und sind weitergefahren. Aber das Abenteuer hat erst angefangen. Bis wir nach Mamonowo gelangten, wurden unsere Dokumente noch zweimal ?berpr?ft. Nat?rlich „erfreute“ uns solche Aufmerksamkeit seitens der Beh?rden. Wir fuhren und schauten ab und an in den Himmel – in der Erwartung, bald Aufkl?rungshubschrauber zu sehen. Nichtsdestoweniger schafften wir es, sowohl bis Mamonowo, als auch bis Bagrationowsk zu gelangen. Dort begegnete uns der n?chste UAZ. Es stiegen zwei Offiziere der Grenzeinheit aus und fragten, ob wir jene Radfahrer seien, die den ganzen Tag entlang der russisch-polnischen Grenze fahren. „Ja“, sagten wir und l?chelten, „wir sind das!“ – Er antwortete: "Vielen Dank f?r die ausserplanm?ssigen ?bungen, die sie uns hier veranstaltet haben. Sie haben alle Grenzwachen in den Alarmzustand versetzt.“ Irgendwie wurden wir traurig. Ein kleines Gebiet wie Kaliningrad, eine Insel umgeben vom Ozean der EU-L?nder und nicht einmal darf man sich den Grenzen auf 15 Kilometer unkontrolliert n?hern. Und dabei spricht man noch von einer Entwicklung des Tourismus. Dazu m?ssten zun?chst die Grenzbarrieren eliminiert werden. Jurij GORBUSCHIN
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