Die tragischen Ereignisse in Japan fuhren zu einer neuen Auffassung von der Atomenergetik. Die gefahrliche Strahlung der Havariereaktorblocke in Fukushima beeinflusst die offentliche Haltung gegenuber derartigen Objekten in unmittelbarer Nachbarschaft. Da im Kaliningrader Gebiet gerade ein AKW gebaut wird, ist das ein au?erst wichtiges Thema.
Die Bewohner des Gebietes sind nicht nur durch die Ereignisse in Fukushima beunruhigt, sie beobachten auch alles, was in Europa passiert ist. Zum Beispiel eine sprunghafte Steigerung der Proteste in Deutschland gegen die Atomenergetik und die Anderung der Regierungshaltung – bis zur Abschaltung der alten AKW?s.
Die skeptische Haltung der Kaliningrader gegenuber dem AKW hat sich weiter verscharft. Die AKW-Gegner schreiten heftiger aus. Andererseits sagen die Experten, es gabe bei uns nicht dieses Risiko eines Unfgalls, wie es in Japan passierte.
„Als die modernsten zurzeit realisierenden AKW-Projekte gelten die Kernkraftwerke in Finnland und in Frankreich. Doch auch sie haben nicht alle Bauteile, die die russischen Technologen aufweisen. Auch bei dem schlimmsten Szenario wird die radioaktive Ausstrahlung durch die doppelte Reaktorschutzhulle und durch die Schmelz-Falle nicht in die Atmosphare gelangen“, so Alexander Kasarin, Hauptingenieur des Projektes fur den Bau eines AKWs bei Sankt Petersburg. (Die Bauweise des Kaliningrader AKW?s geschieht nach den gleichen Prinzipien).
Man betont auch, dass die von den russischen Wissenschaftlern konstruierte Falle die Kernschmelze unbegrenzt lange aufhalten kann.
Das AKW kann einen Aufprall eines absturzenden Flugzeuges aushalten, das 100 Meter pro Sekunde fallt und 5,8 Tonnen schwer ist, so Ivan Grabelnikow, der Hauptingenieur des Projektes Baltisches AKW (BAKW).
Nach einer der Auffassungen soll aber die gemeinsame Unruhe wegen der Atomenergetik neue Beweise fur die Sicherheit der russischen AKW fordern. Die entsprechenden Berechnungen und Garantien konnen die Projektanten den interessierten europaischen Strukturen bereitstellen, so A. Kasarin.
Es ist umso wichtiger, weil die litauischen Politiker immer wieder die Sicherheit des BAKW offentlich anzweifeln. Daruber hinaus will die litauische Regierung im Hintergrund der gespannten offentlichen Meinung uber die Atomenergetik in Europa die EU und OSZE in den Kampf gegen den Bau von BAKW?s einschalten, steht unter „delfi.lt.“
Der litauische Premierminister, Andrius Kubilius, hat den Massenmedien mitgeteilt, dass „die Versuche, mit den Nachbarn einen bilateralen Dialog uber Umweltfragen und Sicherheit zu fuhren, nutzlos seien“. Nach seinen Worten entspricht Russland nicht den BAKW-Sicherheitsanforderungen, die in den internationalen Konventionen vorgesehen sind.
Der litauische Au?enminister, Audronius Azubalis, hat noch im Januar dem Generaldirektor der IAEO, Yukiya Amano, gesagt, Litauen mache sich Sorgen uber den „geplanten Bau des AKW?s im Kaliningrader Gebiet Russlands“. Audronius Azubalis meint, dass Russland sich nicht an die internationalen Konventionen halt und dass das Kaliningrader AKW gebaut wird, ohne den Bau vorher mit den Nachbarstaaten in Fragen Umwelteinwirkung zu besprechen. Im Marz au?erte sich ahnlich der stellvertretende Au?enminister von Litauen, Egidius Meilunas, wahrend des Treffens mit einem Mitglied vom IAEO.
Jedoch erschien in der Zeitung „Litowskij kurjer“ („Der litauische Kurier“) ein bemerkenswertes Interview unter dem Titel „Atomgehorlosigkeit“ mit Sergej Bojarkin, dem Vertreter des russischen Konzerns „Rosatom“.
So behauptet S. Bojarkin, dass das russische Au?enministerium einen offiziellen Bericht noch im November 2009 nach Litauen geschickt hat. Die russische Seite hat auch zweimal die Fragen von Litauen beantwortet. Litauen ist uber Russlands Zustimmung, Konsultationen durchzufuhren, informiert.
Ahnliche Noten, Dokumente und Einladungen zu den Konsultationen hat das russische Au?enministerium auch den anderen Landern geschickt. Im Januar und Februar dieses Jahres haben solche Konsultationen in Riga (Lettland) und Berlin (Deutschland) stattgefunden.
Man kann es sich fast denken: die litauischen Diplomaten haben die russische Kollegen sehr uberrascht. Danach wurden alle notigen Dokumente wieder nach Litauen geschickt. Au?erdem hat der russische Au?enminister Sergej Lawrow wahrend des Moskauer Aufenthaltes von Herrn Azubalis die litauische Seite personlich zu den Konsultationen eingeladen.
Aber auch danach beklagt sich die litauische Regierung bei den IAEO-Beamten und versucht, alles so darzustellen, als ob die russischen AKW-Erbauer sie boswillig ignorieren.
Es ist klar, dass das in der Tat ein okonomischer Wettkampf ist, wo die Politik ganz gewissenlos benutzt wird, denn trotz der gesellschaftlichen Anti-Atom-Hysterie in der EU will Litauen auf den Bau ihres eigenen AKW nicht verzichten. Und die ganzen „Unruhen“ wegen der russischen und wei?russischen AKW „in der Nahe von der litauischen Grenze“ sehen vollig anders aus, wenn aufgedeckt wird, dass die litauischen Politiker gar nichts gegen die polnischen Plane haben, ein AKW „in der Nahe der litauischen Grenze“ zu bauen.“
Noch eine merkwurdige Tatsache. Die litauische Prasidentin, Dalia Gribauskeite, beklagte sich bei den Journalisten uber den wei?russischen Autokraten Lukaschenko. Sie habe ihm ziemlich schroff gesagt, ein AKW im 50-Kilometer-Bereich der litauischen Grenze sei unzulassig, worauf dieser Grobian antwortete, sie sollen die Ingalina von der wei?russischen Grenze wegschieben. (Es handelt sich dabei um den Ort des geschlossenen litauischen AKW?s und die Baustelle eines vermutlichen). Ist das denn nicht logisch?
Doppelstandards taugen nie. Geschweige denn in den so sensiblen Fragen wie zur Atomsicherheit. Das betriffgt auch die Versuche, die Tragodie fur seine selbstsuchtigen Ziele zu nutzen. Ubrigens uberschneiden sich die gro?e Politik und die Moral sehr selten – sie gehen an den beiden Seiten der Grenze zwischen Russland und der EU entlang. Leider!