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Mit der Autorin des Buches „Die Bernsteink?ste: Jantarnyj Bereg“ trafen wir uns an der Bernsteink?ste in der „bernsteinigsten“ aller St?dte unseres Bernsteinlandes – Jantarnyj (ehem. Palmnicken). Wir hoffen sehr, dass unsere Leser diese Tautologie verzeihen werden; sie ist nicht zuf?llig. Die Autorin Kristel Hofeins ist ein F?hrungsmitglied der „Jantarj“-Gesellschaft der Hamburger Universit?t. In meinen H?nden liegt ihr Werk – ein illustriertes Album, f?r dessen Fertigstellung sie f?nf Jahre ben?tigt hat. Ich schlage es auf und entdecke f?r mich das Samland aufs Neue, als ob ich es nicht schon vorher kreuz und quer befahren habe. Das ist es eben: ich fuhr die Bernsteink?ste mit dem Wagen entlang und Kristel durchwanderte die gesamte K?ste von Swetlogorsk (Rauschen) bis nach Jantarnyj (Palmnicken) zu Fu?. Nur wandernd kann man sich mit der Gegend und mit den Menschen richtig vertraut machen, meint Kristel. Das Buch „Die Bernsteink?ste: Jantarnyj Bereg“ ist das Ergebnis von Besuchen der Autorin, die sie der Stadt Jantarnyj im Laufe von einigen Jahrzehnten abgestattet hat. Angefangen hat alles mit einer Kurzreise nach Litauen, als deutsche Vertreter der „Jantarj“-Gesellschaft mit dem ber?hmten russischen Bernstein-Kombinat im Kaliningrader Gebiet bekannt gemacht wurden. „Ich war von dieser Reise sehr stark beeindruckt,“ erz?hlt Kristel. Nach dem ersten Besuch in Jantarnyj lernten Kristel und ihre Freundin das Ehepaar Bartsch kennen, das jedes Jahr in diese Stadt an der See kam. Es stellte sich schnell heraus, dass es keine nennenswerten Probleme f?r solche Besuche gibt, weil die Menschen hier sehr gastfreundlich und hilfsbereit sind. So kommt Kristel schon seit zehn Jahren nun Jahr f?r Jahr nach Jantarnyj. Mal mit ihrem Ehemann, mal ohne. Doch ihre Kamera ist immer dabei. „Die Landschaft“, sagt Kristel, „ hat sich im Vergleich zu der von der Vorkriegszeit sehr ver?ndert. Fr?her wuchsen entlang der K?ste keine ‚Dschungel’ wie jetzt.“ Sie kam sogar im Winter, um Aufnahmen von den Abh?ngen zu machen, als die B?ume kahl waren. W?hrend ihrer Wanderungen entlang der Ostseek?ste dachte Kristel ?fters daran, dass es spannend sein k?nnte, die alten Ansichten von diesen Ortschaften (Gravuren, Postkarten) den modernen Fotos gegen?ber zu stellen. So wurde die Idee dieses Werkes geboren und wuchs in f?nf Jahren dann zu diesem wundersch?nen Bildband heran. Grundlage ist eine stattliche Sammlung alter Ansichtkarten. Diese Motive bestimmten die heutigen Aufnahmeorte und Pl?tze, um dadurch alle landschaftlichen Ver?nderungen darstellen zu k?nnen. Oft wurden sogar neben den Postkarten auch Reproduktionen alter Bilder und Gem?lde benutzt. Ein Teil dieser Bilder entstand im XIX. Jahrhundert. Als Ergebnis dieser langen und aufwendigen Arbeit kam ein vielseitig illustriertes Buch heraus, das dem Leser den Zeitwandel einer Landschaft vermittelt. Die Fotoaufnahmen f?r dieses Buch hat Kristel ganz bewusst aus dem gleichen Blickwinkel gemacht, unter dem sie vor 100 bis 200 Jahren entstanden sind. F?r uns als Leser ist diese Zusammenstellung sehr bequem: links eine alte K?stenansicht, rechts eine Aufnahme von heute. Zu den Bildern erz?hlt die Autorin eigene Eindr?cke und Erlebnisse von ihren Wanderungen zwischen Swetlogorsk (ehem. Rauschen) und Jantarnyj (ehem. Palmnicken) und erg?nzt vieles mit historischen Daten. Ein solcher Blick durch das Prisma der pers?nlichen Wahrnehmung auf beispielsweise den modernen Zustand von Hafenst?dten ist nicht weniger reizvoll. Fr?her fand man hier eine sehr gut entwickelte Erholungs-, Sport- und Tourismusinfrastruktur vor. Heute hat sich vieles ver?ndert; leider nicht zum Guten, wenn man bedenkt, dass damals sogar jede Schlucht einen Namen hatte und einige von ihnen mit Laternen ausgestattet waren. Das betrifft zum Beispiel die Siedlung Lesnoe, ein fr?her sehr popul?rer Kurort namens Warnicken. Die ber?hmte „Wolfsh?hle“ war eine der tiefsten Schluchten der gesamten K?ste und hatte eine spezielle Aussichtsplattform. Zum Aussichtspunkt „K?nigs-Thron“kamen sogar K?nige, um einen Blick auf die See aus dieser Perspektive zu werfen. Und dann gab es da noch den „Galgenberg“. Wer von den heutigen Ortsbewohnern in Donskoj wei? dar?ber noch etwas? Vom XV. bis XVI. Jahrhundert hat das Herzogtum als Inhaber von Monopolrechten f?r die Bernsteingewinnung alle bestraft, die einen Sonnenstein in ihre eigene Tasche legten, anstatt ihn an die Schatzkammer abzugeben. Menschen, die in kleinen D?rfern entlang der Ostseek?ste gelebt haben, waren auf Befehl eines Regierungsbevollm?chtigten verpflichtet, ins Wasser zu springen und mit einem Kescher Bernsteine zu suchen. Schon damals existierte hier eine Verbotzone, ?hnlich den bei Goldgruben auf Alaska. ?brigens mussten damals alle K?stenbewohner mit dem Erreichen des 18. Lebensjahres den sogenannten „Bernstein-Eid“ leisten (f?r Deutsche ist ein Eid sehr heilig). Sie haben geschworen, jeden gefundenen Bernstein an die Schatzkammer abzugeben. Es wurde sogar eine spezielle Durchgangserlaubnis f?r Strandbesuche eingef?hrt. Beim Lesen des Buches von Kristel Hofeins erfahren wir, dass der h?chste Punkt der Samlandk?ste 66 Meter misst. Hier liegt der „Sp?hberg“. Ausgerechnet hierher kamen im XIX. Jahrhundert Kunstmaler aus ganz Europa. Die in ihren Mitteln eingeschr?nkten K?nstler lebten bei den Fischern und zahlten oft f?r diese Unterkunft mit ihren Landschaftsgem?lden. Es sind mit Sicherheit alle deutsche Expressionisten hier gewesen. Leider ist das Buch „Die Bernsteink?ste: Jantarnyj Bereg“ zuerst nur in deutscher Sprache herausgegeben worden. Dar?ber soll man sich nicht wundern, denn alle Kosten trug Kristel Hofeins pers?nlich. Doch ich denke, dass eine russische ?bersetzung dieses gro?artigen Reisef?hrers ?ber die Ostseek?ste nur eine Frage der Zeit sein wird. Jurij GORBUSCHIN
Foto: Chefredakteur der KA, Michail Palej, ist davon ?berzeugt, dass dieser Bildband unbedingt auch in russischer Sprache erscheinen soll
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