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Die Wiener Philharmoniker in Begleitung von ?ber 1500 Fans aus allen Kontinenten gingen in Klaip?da mit dem Luxus-Liner „Mein Schiff“ vor Anker. Von dort aus wagten sie einen ''Bus-Sprung“ von 150 Kilometern nach Kaliningrad, um dort zu Ehren ihres Orchestergr?nders ein Konzert zu geben Zum ersten Mal seit seiner Gr?ndung gab das Wiener Philharmonie Orchester im Rahmen seiner Baltikum-Tournee ein Konzert in der Geburtsstadt des Orchestergr?nders und Komponisten Carl Otto Ehrenfried Nicolai. Dieses Konzert war dem 200. Geburtstag des Orchestergr?nders gewidmet. Am 7. Juli verlie? der Liner mit den Wiener Philharmonikern und vielen Fans den Hafen im deutschen Kiel und brachte sie nach Tallin, Sankt Petersburg, Helsinki und Stockholm, wo sie je einen Auftritt gegeben haben. Einen besonderen Platz nahm in der Tournee-Liste der St?dte Kaliningrad-K?nigsberg als Heimatstadt von O. Nicolai ein. Wie seltsam es auch ist, aber das Orchester der Wiener Philharmonie hat seit seiner Gr?ndung im Jahre 1842 kein einziges Konzert im Heimatort des Gr?nders gegeben. ?ber 3000 Menschen, die zu diesem Ereignis im Sportpalast „Jantarnyj“ gekommen waren, stellten sich auf einen musikalischen Kunstgenu? ein. Auf dem Programm standen Episoden aus Nicolais Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“ (gesungen von der Sopran-Solistin Ildiko Raimondi) sowie das Dritte Klavier-Konzert und die Siebente Symphonie von Ludwig van Beethoven (Solo vom Pianisten Rudolf Buchbinder). Dirigiert wurde das Orchester von Christian Thielemann. Die meisterhafte Auff?hrung der Musiker dankte das Publikum mit einem st?rmischen Applaus, der nicht enden wollte. Das bedeutete Zugabe! Aber leider gab es keine Zugabe, weil die Musiker zusammen mit mehr als 1500 Fans und anderen Passagieren des Reiseschiffes noch eine Busfahrt von 150 Kilometern zum litauischen Klaip?da vor sich hatten; sozusagen als eine logistische Notl?sung f?r die Baltikum-Tournee der „Wiener Philharmoniker“. Wir haben schon einmal dar?ber berichtet, dass die Organisation des Kaliningrader Konzertes sehr problematisch verlief. Die Region hat leider keinen Hafen, der imstande w?re, ein Schiff von einer solchen Gr??e zu empfangen, wie es dieser Liner „Mein Schiff“ ist. Doch der Wunsch, hier in Kaliningrad unbedingt aufzutreten, war st?rker als alle ungl?cklichen Umst?nde, die vorauszusehen waren. So kam es zu der einzig m?glichen Variante, im litauischen Klaip?da anzulegen und die Reise nach Kaliningrad mit den Bussen fortzusetzen. Am 15. Juli startete dann eine Karawane aus 40 gro?en Bussen, die alle 2000 Teilnehmer der Kreuzfahrt ?ber die Kurische Nehrung nach Kaliningrad brachten. Der Karawane folgte ein Trailer mit den Musikinstrumenten. Das Passieren des litauisch-russischen Grenz?berganges stellte sich noch b?rokratischer heraus, als es sich die Pessimisten vorgestellt hatten. F?r die Fahrg?ste war die Personenkontrolle am litauisch-russischen Grenz?bergang ziemlich unproblematisch; ganz im Gegensatz zu den Musikinstrumenten, die diesen litauischen Grenz?bergang nicht passieren durften. Sie wurden von den litauischen Zollbeamten zu einem anderen Grenzposten umgeleitet, der mehrere Kilometer entfernt war. Das liest sich jetzt alles sehr einfach. Aber wer das komplizierte Wendeman?ver auf engstem Raum gesehen hat und dann noch die Umleitungsstrecke in Betracht zieht, der konnte ahnen, dass das zu einer enormen Versp?tung des Konzertbeginns in Kaliningrad f?hren wird. So kam es dann auch. ?ber 3000 Musikfreunde wurden auf eine harte Geduldsprobe gestellt, als mit einer fast zweist?ndigen Versp?tung dann das Konzert endlich begann. Dass dieses Konzert ?berhaupt noch stattfinden konnte, ist nur dem unb?rokratischen Verhalten der russischen Zollbeamten zu verdanken, die sehr umsichtig handelten, als sie einen Weg fanden, mit russischer Seele entscheiden zu k?nnen, ohne dabei die dienstlichen Vorschriften zu verletzen. So wurden die Autozug-Plomben nicht am Grenz?bergang, sondern unmittelbar vor dem Eingang in den Konzertsaal entfernt. Jetzt war alles gut. Was sonst hinter dem Vorhang abl?uft, geschah nun auf offener B?hne und somit vor den Augen des Publikums: viele flei?ige Helfer brachten die Musikinstrumente herein und ?bergaben sie den Musikern des Orchesters. So bekamen diesmal nicht die Wiener Musiker, sondern die B?hnenarbeiter den ersten Applaus. Um nicht noch mehr kostbare Zeit zu verlieren, spielten die Philharmoniker in sommerlicher Stra?enbekleidung. Auch diese ungew?hnlichen Umst?nde werden das Kaliningrader Konzert auf eine ganz besondere Weise unvergesslich machen; f?r die Musiker, wie auch f?r die Zuh?rer. Wo und wann kann man sonst noch die Wiener Philharmoniker nicht in festlichen Konzertanz?gen, sondern in ihrer ganz normalen individuellen Sommerbekleidung spielen sehen? Einige Konzertbesucher dachten sogar, dass der Konzertanfang nur eine Tonprobe w?re. Doch dann nahm alles einen richtigen Ablauf und nichts konnte mehr den Klang dieser grandiosen Musik aufhalten: weder das ungew?hnliche Aussehen der Musiker, noch die erdr?ckende Hitze und auch nicht die Akustikeinbu?e in diesem Saal, der nicht f?r Konzerte vorgesehen ist. Alles ?u?ere wurde bei dieser Veranstaltung zur Nebensache, verdr?ngt durch das erhabene Gef?hl, dem Gr?nder des Orchesters mit diesem Konzert zu ehren. Dazu gab es noch eine Zugabe besonderer Art, als in Anwesenheit der Musiker an der Kathedrale eine Gedenktafel f?r den am 9. Juni 1810 in K?nigsberg geborenen Otto Nicolai angebracht wurde. Der Ort f?r diese Ehrentafel wurde nicht zuf?llig auserw?hlt, denn in der Kathedrale bekam der Komponist seine Musikausbildung. Der n?chste Auftritt des Wiener Philharmonie Orchesters in Kaliningrad wird in der Kathedrale stattfinden; Christian Thielemann hat es versprochen. Inzwischen ist dieses gro?artige Ereignis verklungen. Aber es sind auch Spuren geblieben, die auf Kaliningrad einen Schatten werfen. Jeder, der f?r das Ansehen und das Bild dieser Stadt Verantwortung tr?gt, sollte aus den „abenteuerlichen“ Umst?nden des vergangenen Konzertes ernsthafte Schlussfolgerungen ziehen. Erstens: die Region braucht einen eigenen vollwertigen Passagierhafen, der nicht „?berl?uft“, wenn hier ein Luxus-Liner anlegt. Ganz deutlich hat sich gezeigt, dass das Fehlen eines solchen Hafens nicht nur die Entwicklung von touristischen, sondern auch von kulturellen Verbindungen bremst. Zweitens: Kaliningrad braucht dringend einen modernen Konzertsaal mit perfekter technischer Ausstattung und einem gro?en Fassungsverm?gen. Sports?le als Ersatz taugen nichts. Und drittens: die Kaliningrader wollen die besten K?nstler der Welt ebenfalls zum H?ren und Sehen bekommen. Sie haben sich dieses Anrecht auf Konzerte ersten Ranges ?berzeugend verdient, sei es in den Staus auf den Stra?en zum Sportpalast „Jantarnyj“ oder w?hrend des zweist?ndigen Wartens auf den Beginn des Konzertes. Nichts hat die Kaliningrader von diesem musikalischen Erlebnis abbringen k?nnen. Dennoch sollten k?nftig derartig harte Herausforderungen den Kaliningradern erspart bleiben. Das ist Disharmonie in den Ohren aller Musikfreunde. So h?tte es auch Carl Otto Ehrenfried Nicolai empfunden. Ihm zur Ehre und den Kaliningradern zum Nutzen sollten die Schlussfolgerungen zur Probleml?sung an die richtige Adresse kommen. Vielleicht l?sst sich dann manches, was die Kaliningrader heute melancholisch stimmt und ihnen ein Kreuz auferlegt, in C-Dur umwandeln. In C-Dur gibt es kein Kreuz. Das wei? fast jeder Musikfreund. Marina BELOWA
Foto: Eduard MOLTSCHANOW, Jurij GORBUSCHIN
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