Am 30. Januar wurde an der Ostseeküste in Jantarny ein Denkmal für die Opfer des Holocaust in Palmnicken im Jahre 1945 eingeweiht.
Vor 66 Jahren, nachts am 31. Januar, fand an der Ostseeküste in der Nähe vom Bernsteintagebau „Anna“ das letzte Juden-Massaker statt. Etwa 7.000 Häftlinge verließen das KZ Stutthof und seine Außenlager zum Todesmarsch. Die Hälfte starb unterwegs, weitere starben durch Gewehrkugeln und der Rest wurde bei Palmnicken ins eiskalte Meer gestrieben und ertrank. Nur 13 Menschen überlebten. Sie wurden von den Einwohnern der Stadt versteckt und konnten dadurch gerettet werden.
Das 10 m hohe Denkmal wurde neben einer Gedenktafel aufgestellt, die bereits im Jahre 2000 eingeweiht wurde. Vier Hände mit tätowierten Lagernummern strecken sich aus dem Wasser des Meeres zum Himmel. Das sind echte Nummern von Häftlingen, die hier zum Ende des Zweiten Weltkrieges starben. „Sie strecken ihre Hände aus dem Wasser hoch und versuchen verzweifelt, sich am Leben festzuklammern“, erklärt Frank Meisler die Grundidee. Er ist zusammen mit dem Bildhauer Arie Ovadia der Schöpfer des Monuments.
An der Trauerzeremonie nahmen viele berühmte Persönlichkeiten teil: Kaliningrads Gouverneur Nikolai Zukanov mit hohen Beamten, der Oberrabbiner Russlands, Berl Lasar, der Generalkonsul Deutschlands, Aristide Fenster, der Generalkonsul Litauens, Vaclav Stankevic sowie andere Politiker, Diplomaten und Vertreter öffentlicher Organisationen.
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Der deutsche Generalkonsul Aristide Fenster in Kaliningrad:
“Das Gedenken an die Opfer ist eine erinnerungspolitische Aufgabe für mehrere Nationen”
Einen besonderen Platz nahm unter ihnen Martin Bergau ein. Er war als Augenzeuge der Tragödie erst 16 Jahre alt. Bergau geriet später in russische Gefangenschaft und verarbeitete seine Erlebnisse in einem Buch. Dieses Buch geriet nach 1990 in die Hände der Kaliningrader Journalisten. Mit ihrer Hilfe wurde die Geschichte von dem Verbrechen in Palmnicken aufgerollt und das Andenken an seine Opfer verewigt.
„Ich dachte schon damals in der Gefangenschaft daran, wie ich es weitererzählen werde, wenn hier alles vorbei ist und ich rauskomme“, erinnert sich Martin Bergau. „Ich wollte es nicht nur meinen Kindern erzählen, sondern auch den Kindern in der Schule. Und schließlich war der Wunsch da, ein Buch darüber zu schreiben, damit es allen bekannt wird. Ich fühlte mich verpflichtet, es zu tun, denn ich bin selber Deutscher, erzogen in einem strengen, christlichen Geist.“
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Zwischen den vielen Kränzen sind auch die Kränze von den Bewohnern des ehemaligen Ostpreußen und der Bundesrepublik Deutschland
Die Redner sprachen über die Vergangenheit und unsere Erinnerung. „Diejenigen, die keine Vergangenheit haben, haben auch keine Zukunft“, sagte der Gouverneur Zukanov. Diese Worte drücken die gesamte Stimmung aus. Nach dem Gebet wurden bei Geigenmusik Blumen zum Monument gelegt, an dessen Sockel brennende Lichter standen.
Zur Information:
Frank Meisler ist ein berühmter Monumentalist. Die bekanntesten Werke von ihm sind: Denkmal für Ben Gurion in Israel, Columbus-Denkmal in Madrid, seine Skulpturengruppen im Shakespear-Theatre in Stratford-upon-Avon. Sehr berühmt sind seine Holocaust-Mahnmale in Europa und Amerika.
Anton Schmidt