Startseite Geschichte EIN ZEITZEUGE DES 9. APRIL 1945 ERZ?HLT
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EIN ZEITZEUGE DES 9. APRIL 1945 ERZ?HLT Drucken E-Mail

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Sein Alter sieht man ihm nicht an, dem 1923 in Magdeburg geborenen Leo Hesse. Bevor wir uns an den Tisch setzen, auf dem bereits verschiedene Ordner und Karten liegen, zeigt mir Herr Hesse „sein“ Berlin aus der 17. Etage des Hochhauses auf der Fischerinsel, mitten im Zentrum Berlins. Er braucht diesen Blick auf die friedlich atmende Stadt, wenn er sich an K?nigsbergs letzte Tage im April 1945 erinnert. 


Den Krieg hatte er schon seit 1943 erlebt, sein Fronteinsatz begann im Kursker Bogen und von dort ging es immer r?ckw?rts bis nach Kriwoj Rog und schlie?lich bis Odessa. Als dann die Rote Armee die Grenze zu Ostpreu?en erreicht hatte, verlegte die Wehrmacht alle verf?gbaren Kr?fte in diesen Raum, um die Front zum Stehen zu bringen. So kam auch Leo Hesse, inzwischen Unteroffizier der Infanterie, am 16. Oktober 1944 in den Raum Goldap, wo er sofort an erbitterten K?mpfen teilnahm. Zum ersten Mal seit seinem Kriegseinsatz erlebte er, wie bei einer einzigen Angriffswelle der Roten Armee sein ganzes Regiment aufgerieben wurde. Er hatte unsagbares Gl?ck, kam mit einer  Verwundung des Wadenbeins davon. Wieder kriegsverwendungsf?hig, erfolgte sein Einsatz im Raum Sensburg – Heilsberg – Zinthen – Brandenburg (Pr.). W?hrend bis Jahresende 1944 die Front einigerma?en stabil blieb, brachten die Russen dann aber ab Januar 1945 Bewegung in die Kampfhandlungen und trieben die deutsche Wehrmacht im Eiltempo bis Brandenburg (Pr.) zur?ck. Manchmal waren es in einer Nacht bis zu 20 Kilometer, daran kann sich Leo Hesse heute noch sehr genau erinnern. Anfang Februar erfolgte dann die Aufteilung des Regimentes und er kam nach K?nigsberg. Die Stadt war bereits eingeschlossen und zur Festung erkl?rt.
Zun?chst war Leo Hesse im Raum Quednau stationiert. Bis Ende M?rz gab es hier kaum Kampfhandlungen. Aber es war eine gef?hrliche Ruhe, die ein schlimmes Inferno ahnen lie?. F?r ihn als Unteroffizier war es unverst?ndlich, dass grunds?tzliche taktische ?berlegungen pl?tzlich nicht mehr von Bedeutung waren. Immer wieder stellte er sich die Frage, warum tatenlos zugesehen wurde, wie der Gegner in aller Ruhe seine Kr?fte neu formieren und sammeln konnte. Angriff ist die beste Verteidigung. Das war ein taktischer Grundsatz, der aber nun keine G?ltigkeit mehr hatte. Jeder wusste, was hier beim Kampf um Ostpreu?ens Hauptstadt auf dem Spiel stand, dennoch wurden nur Mannschaften aufgef?llt, keine schwere Technik zugef?hrt und es mangelte an Infanteriemunition. So wurde jedem Soldaten sehr schnell die Aussichtslosigkeit der Lage klar.
 Am 5. April begann dann das Einschie?en der russischen Artillerie und bereits am folgenden Tag der Sturm auf K?nigsberg. Die schwersten K?mpfe erlebte Leo Hesse am 7. und 8. April am Oberteich und am Dohnaturm, als nun auch die Rote Armee von Norden auf K?nigsberg vordrang und ihren Einbruchsraum bis zu den Hufen und Juditten erweitern konnte. Heute kann sich Leo Hesse immer noch nicht erkl?ren, wie er w?hrend der Kampfhandlungen zu einer etwa 20 Mann starken Truppe am Morgen des 9. April gekommen ist, die ein Oberst „aufgesammelt“ und unter seinen Befehl gestellt hatte. Schnell hatte sich herumgesprochen, dass sich der Oberst auch f?r alle F?lle den Regimentsdolmetscher geschnappt hat. Zu Kampfhandlungen kam es aber nicht mehr. Verschanzt im Dohnaturm, wartete jeder auf das Ende, auf die Kapitulation. Einige der Kameraden dr?ngten sich um den 22j?hrigen Regimentsdolmetscher, um die ersten russischen Worte zu lernen. Auch Leo Hesse war unter ihnen. Von hier trat er den Weg in die Gefangenschaft an.

Text und Foto: Wolfram NEUFELDT

 

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