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Im Laufe der Geschichte erschütterten immer neue Schicksalsschläge das ostpreußische Land: Es begann mit der Bekehrung und Zwangstaufe der prussischen Heiden, gefolgt vom hindernissreichen Werdegang des einzigen wirklichen Ordensstaates in Europa bis hin zu seiner Säkularisierung und einem fast drei Jahrhunderte lang andauernden Protektorat des Königreichs Polen. Dieses Land durchstand Napoleonische Kriege und wurde zu einem der Gründerländer des Deutschen Reiches. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Ostpreußen auseinander gerissen – ein Drittel kam zu Russland, zwei Drittel gingen an Polen und das kleine Memelland liegt jetzt innerhalb litauischer Grenzen. Genau hier, in Klaipeda, wie die Stadt Memel heute heißt, lebt der Held unserer Erzählung, ein Mann mit vielseitigen Begabungen und ein aktiver Kämpfer für die Wahrung des historischen Erbes Ostpreußens, Romanas Borisovas. Obgleich sein Nachname litauisch klingt, wurde er ihm so auferlegt, als Litauen sich von der Sowjetunion abspaltete und Pässe an seine russischen Mitbürger ausstellte. Der litauische Name bekümmert ihn aber nicht, er betone seine Einzigartigkeit, schließlich gäbe es viele Borisovs auf der Welt und nur einen Maler mit dem Nachnamen Borisovas. Seine Nachfahren kommen aus Russland, leben jedoch seit Jahrhunderten im Gebiet zwischen Lötzen (heute das polnische Gizycko) und Suwalken. Als religiöse Flüchtlinge fanden sie hier ihr Zuhause. Preußen nahm zu der Zeit religiöse Flüchtling auf und zeichnete sich nicht nur durch Toleranz, sondern durch eine wahre Gastfreundschaft und Fürsorge aus. Vielleicht ist das der Grund, warum Borisovas diesem Land seine Dankbarkeit zeigen möchte, in dem er die Erinnerung an historische Zeiten zu bewahren sucht. Einen großen Einfluss auf den Werdegang des Malers nahm seine Mutter, Alexandra Sedletzki. Romanas Borisovas wurde an der Kunstakademie in Vilnius ausgebildet, hat einen Abschluss als Designer erworben, beherrscht frei die Sprachen Deutsch, Polnisch, Russisch und Litauisch und war über viele Jahre Inhaber und Leiter eines Malerateliers. Doch Aquarell und Architekturerbe scheinen ihn wie ein Magnet anzuziehen, so dass er sich in den letzten 15 Jahren ganz diesen zwei Kunstbereichen widmete. Seine Ausstellungen fanden in unterschiedlichen Ländern statt. In seiner Freizeit ist er ein leidenschaftlicher Seemann. Er besitzt schon lange das internationale Patent eines Yachtskapitäns und ist Gewinner zahlreicher Regatten, darunter auch der Regatta „Ostseewoche in Warnemünde“. Den größten Sturm der letzten Jahre auf dem Baltikum, der als Jahrhundert-Orkan in die Geschichte eingegangen ist (August 1989), erlebte Borisovas auf hoher See auf der Yacht seines Freundes Peter Schlünz aus Eckernförde. Die Yacht „Fenjala“ durchstand den Sturm unversehrt. Im Jahre 2008 nahm er an der Weltumseglung auf der Yacht „Ambersail“ teil. Das Ziel dieser Reise war es, alle litauischen Gemeinden weltweit zu besuchen und sie zu den Feierlichkeiten anlässlich des 1000jährigen Jubiläums Litauens einzuladen. Doch das wichtigste Anliegen seines Lebens ist und bleibt die Wahrung des Kulturerbes und vor allem des Architekturnachlasses Ostpreußens und das Bestreben, seine besten Seiten wieder zu beleben. Als Maler greift Borisovas immer wieder zu Aquarellfarben. Er erfindet faktisch eine neue Technik des Malens, die durch eine klare und ausdrucksstarke Technik gekennzeichnet ist. Doch die Einzigartigkeit seiner Arbeiten liegt nicht nur in ihrem künstlerischen Wert. Viele seiner in den letzten 30 Jahren angefertigten Werke sind wie eine Zeitmaschine und ermöglichen es, ein nicht mehr vorhandenes Ostpreußen zu sehen. Wenn man sie betrachtet, fühlt man die besondere Stimmung und die wahre Atmosphäre eines der ehemaligen Kultur- und Wissenschaftszentren Deutschlands – der Stadt Königsberg und ihrer Umgebung. Allein in Kaliningrad fanden vier Ausstellungen seiner Aquarellarbeiten statt. Jetzt ist eine Fotoausstellung im Empfangssaal des Kalinin- grader PEN-Zentrums in Vorbereitung; sie soll Fotos aus der Nachkriegszeit zeigen. Insgesamt fanden in Litauen, Deutschland, Polen, Russland, den USA und in Luxemburg mehr als 50 Ausstellungen statt. Kataloge und Alben sowie unzählige Kalender und Postkarten wurden herausgegeben und seine Werke von Museen und Privatsammlern aus den USA, Russland, Deutschland, Polen, Österreich, Italien, Großbritannien, Luxemburg, Australien und Kanada erworben. Fast alle seine Arbeiten sind dem ehemaligen Ostpreußen gewidmet. Das Wissen des Malers und Öffentlichkeitsarbeits-Aktivisten über die kleinsten Dörfer und Siedlungen auf dem ehemaligen Gebiet Ostpreußens im heutigen Litauen, Polen und Russland ist wahrlich enzyklopädisch. In Russland orientiert er sich besser als manch ein Heimatforscher, was das Vorhandensein und den Zustand von Bau- denkmälern in dem einen oder anderen Gebiet betrifft. Deshalb agiert er oft als Berater der örtlichen Verwaltung und der Restauratoren. Jetzt werden Verhandlungen geführt, um Borisovas als historischen Berater und künstlerischen Gestalter zur Erneuerung der Ausstellung des Kaliningrader Gebietsmuseums für Kunst und Geschichte hinzu zu ziehen, denn schließlich kann Borisovas die Zusammenarbeit zwischen den Archiven Litauens, Polens, Russlands und Deutschlands begleitend verstärken. Mit seiner Hilfe plant auch die Redaktion „Königsberger Allgemeine“ die Sphäre ihrer Interessen zu erweitern und für ihre Leser außer den Artikeln zum Kaliningrader Gebiet auch Materialien über die Geschichte und Kultur des Memellands und über den polnischen Teil Ostpreußens vorzubereiten. Die Redaktion hofft, dass solche Artikel für viele Leser interessant sein können. In Litauen setzt Borisovas seine Bemühungen darauf, die öffentliche Meinung zu formen und den Einwohnern Klaipedas klar zu machen, dass es notwendig ist, das Antlitz der Altstadt zu bewahren und zumindest dort wieder herzustellen, wo es nach den gnadenlosen Kämpfen des sinnlosen Krieges verloren ging oder durch eine schlecht durchdachte Stadtplanung im Zuge der Wiederherstellung nur fragmentarisch vorhanden ist. Die öffentliche Organisation „Preußisches Litauen“, dessen aktives Mitglied Borisovas ist, engagierte sich als erste, als es darum ging, das Museum des Christian Donelatius, welches seinen Standpunkt in der ehemaligen lutherischen Kirche in Tollmingkehmen hat, von der Übergabe an die russisch-orthodoxe Kirche zu retten. Die Organisation wies die litauische Regierung auf die Notwendigkeit hin, politische Maßnahmen zur Rettung des Andenkens des weltweit bekannten christlichen Pastors und Literators zu ergreifen. Dank der gemeinsamen Bemühungen vieler öffentlichen Organisationen Russlands und Litauens und der Bitte der litauischen Präsidentin Dalia Grybauskaite und der deutschen Kanzlerin Angela Merkel gelang es den Enthusiasten, den Status der historischen Museen im Königsberger Dom und der Kirche in Tollmingkehmen zu schützen. Eine Rolle spielte dabei auch das Engagement des Malers Romanas Borisovas. Doch er selbst betont immer wieder, dass er allein nichts bewirkt hätte und lobt andere Enthusiasten. Er veranlasste die Organisation „Preußisches Litauen“ dazu, das Engagement des Vorsitzenden der Kaliningrader Abteilung der Schriftstellervereinigung Russlands, Boris Bartfeld, durch eine besondere Auszeichnung zu ehren. Boris Bartfeld war einer der aktivsten Beschützer des Christian-Donalitius-Museums im Kaliningrader Gebiet. Borisovas überreichte persönlich einen Dankesbrief und schenkte dem Klub des „Bohnenkönigs“, der die Bewahrer der Kant-Traditionen und des Andenkens an die Geschichte des Ostpreußens vereint, eine von ihm angefertigte Kopie einer alten Zeichnung, welche das Haus des Philosophen nahe dem Königsberger Schloss zeigt.
Vladimir KHARCHENKO Foto:Borisovas auf seiner Ausstellung in Leuchtturm des „Fischerdorfes“
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