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„Schloss Friedrichstein und dessen Bewohner tauchen aus der Vergangenheit auf“; so kommentierte die Gr?fin Tatjana D?nhoff das von Dr. Kilian Heck und Christian Thielemann geschriebene Buch „Friedrichstein - Das Schloss der Grafen von D?nhoff in Ostpreu?en“ w?hrend der Er?ffnung einer Ausstellung in Kaliningrad. Motive aus diesem Buch liegen der Ausstellung zu Grunde. Friedrichstein (heute Siedlung Kamenka) ist der Familiensitz des Grafenstamms von D?nhoff. Unsere moderne Gesellschaft kennt den Schloss- und Familiennamen dank der gemeinn?tzigen und journalistischen T?tigkeit der Gr?fin Marion D?nhoff. Familienmitglieder aus ganz Europa versammelten sich in Kaliningrad. Viele von ihnen kamen zum ersten Mal in das Land ihrer Ahnen. Vom riesigen, am Anfang des XVIII. Jahrhunderts erbauten Barock-Schloss und dem wundersch?nen Schlosspark ist heute fast nichts mehr ?briggeblieben. Ende Januar 1945, nachdem Friedrichstein von der Roten Armee eingenommen wurde, ereignete sich im Schloss eine starke Explosion, durch die das Geb?ude v?llig zerst?rt wurde und ausbrannte. Die Mauerreste wurden sp?ter abgetragen, um Ziegel zu gewinnen. Es ist nicht auszuschlie?en, dass Mauern mancher Geb?ude in Kamenka oder auch in Kaliningrad mit diesen Ziegelsteinen errichtet wurden. Was zur damaligen Zeit eben nur Ziegelsteine waren, w?ren heute Erinnerungsst?cke eines der pr?chtigsten ostpreu?ischen Adelsh?fe. Wie gro?artig muss Schloss Friedrichstein mit seiner Parkanlage gewesen sein, wie prachtvoll das Schlossinterieur und wie kostbar seine Kunstsammlungen! All das k?nnen wir nur erahnen, wenn wir voller Ehrfurcht und Mitgef?hl durch die Ausstellung gehen, nachdenklich die vielen Fotos betrachten und an den Informationsst?nden unsere Eindr?cke miteinander verkn?pfen. Dann kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo sich eine Frage immer wiederholt: Wo hat eigentlich der Krieg noch etwas ?brig gelassen von der damaligen Pracht? Spricht man von Kaliningrad und seiner Region, dann sind es lediglich die Neptun-Statue und einige Steinmasken, die sich im Innenhof der Russischen Staatsuniversit?t „Immanuel Kant“ befinden; einiges befindet sich auch in den Museen Polens. Nicht nur die Mitglieder der Familie von D?nhoff, sondern alle Besucher der Ausstellung trauerten ?ber den Verlust dieses Geschichts- und Kulturdenkmals sowie der wunderbaren Sammlungen, die Friedrichstein damals beherbergte. Nicht umsonst wird dieser Adelshof vom Mitverfasser des Buches, Kulturologen und Privatdozenten der Universit?t von Frankfurt/Main, Dr. Kilian Heck, als eines der besten Beispiele f?r eine Schlossarchitektur auf dem Territorium von Berlin bis Sankt Petersburg bezeichnet. Wenn wir heute mit realistischem Blick die geschichtlichen Ereignisse und die Nachkriegszeit einsch?tzen und einfach mal annehmen, dass das Schloss ?berlebt h?tte, selbst dann w?ren seine ?berlebenschancen ?u?ert gering gewesen. Keineswegs wegen der kommunistischen Klassenfeindseligkeit, sondern aus ganz simplen materiellen Gr?nden. F?r Schl?sser gab es im harten Alltag eines sowjetischen Kolchose-Dorfes keinen Platz. Ohne ihre urspr?nglichen Besitzer h?tten diese riesigen Bauten ihren Nutzen vollkommen verloren: zu gro? und zu abgelegen, um von hier aus bescheidene administrativen Dorfunktionen auszuf?hren und viel zu entfernt beziehungsweise sogar wesensfremd von den bescheidenen Anforderungen und Bed?rfnissen eines Bauers. Das betrifft nicht nur Ostpreu?en; dasselbe passierte auch in Russland. Erst in den letzten Jahrzehnten, seitdem es keine verbotenen Gespr?chsthemen mehr gibt, ist in Kaliningrad das breite Interesse f?r das kultur-geschichtliche Erbe dieser Region deutlich gestiegen. Zu dieser Schlu?folgerung kam auch der Generalkonsul Deutschlands in Kaliningrad, Dr. Aristid Fenster, als auch der Abgeordnete der Kaliningrader Gebietsduma, Boris Batalin, in ihren Ansprachen. Jetzt gibt es den Wunsch, dass sich die Geschichte dieser Region, die zu einem Gemeingut von Deutschen und Russen geworden ist, auch weiterhin bei einer noch engeren Kooperation zwischen unseren V?lkern entfalten m?ge. Zu den Veranstaltern dieser Ausstellung im Deutsch-Russischen Haus geh?rt ebenfalls das Deutsche Kulturforum f?r ?stliches Europa in Potsdam. Nach Einsch?tzung der Vertreterin des Forums, Dr. Claudia Tutsch, zielen solche und ?hnliche Projekte darauf ab, das gro?e und vielf?ltige Kulturerbe, welches unsere L?nder und V?lker objektiv verbindet, f?r alle jetzigen Bewohner dieser Region zu ?ffnen. Es ist sehr bemerkenswert, dass dieser herrliche Besitz der Familie von D?nhoff sogar nach seiner Zerst?rung noch eine bedeutende Rolle bei der Wiederbelebung des hohen Stellenwertes ostpreu?ischen Kulturerbes f?r das moderne Kulturleben des Kaliningrader Gebietes und Deutschlands aus?bt. Mit anderen Worten: Wer kann wissen, ob das Schloss Friedrichstein nicht ein zweites Leben bekommen wird? Dr. Aristid Fenster sagte zumindest, dass das Grundst?ck, auf dem sich das Schloss und der Park befanden, zum Verkauf angeboten worden ist. Er w?nschte, dass der hohe Geist von Friedrichstein die zuk?nftigen Besitzer auf dessen Wiederaufbau einstimmen w?rde. Dr. Kilian Heck sagte als Kunstexperte, dass es sehr gut w?re, wenn man einem solchen Ort, der f?r die europ?ische Kultur so wichtig ist, den Status eines Kulturobjektes verleihen w?rde: „Das ist die gemeinsame Vergangenheit von Deutschen und Russen, die unbedingt erhalten werden muss“. Kommen wir noch einmal zur?ck zum Buch „Friedrichstein – Das Schloss der Grafen von D?nhoff in Ostpreu?en“. Christian Thielemann ist nicht nur Mitverfasser dieses Buches, sondern auch der Dirigent des weltber?hmten Sinfonieorchesters „Die Wiener Philharmoniker“. Einen Tag nach der Ausstellungser?ffnung hat das Orchester ein gro?es Konzert in Kaliningrad gegeben, das dem 200j?hrigen Jubil?um des Orchestergr?nders und K?nigsbergers Carl Otto Ehrenfried Nicolai gewidmet war (mehr dazu auf Seite 1, 11). So kommen in der modernen Welt auf ganz unterschiedlichen Ebenen neue kulturelle Bindungen zustande, die Volksgruppen und Menschen ann?hern. Wie seltsam es auch klingen mag, diese Bindungen entstehen heute f?r die Zukunft und haben ihre Wurzeln doch in einer fr?hen als auch weit zur?ck liegenden Vergangenheit. Anton Schmidt
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| Zuletzt aktualisiert am Montag, 16. August 2010 um 07:53 Uhr |
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