Die Kaliningrader Filiale der Akademie für Volkswirtschaft bei der Regierung der Russischen Föderation existiert bereits seit fünf Jahren. Jedoch verfügt diese Hochschuleinrichtung über eine lange und ruhmreiche Geschichte. Die Filiale der Akademie wurde auf Basis der Kaliningrader Fachschule für Handel und Wirtschaft im Jahre 1946 gegründet. Diese verfügt über 20.000 Absolventen. Das sind Fachleute mit einem Diplom auf dem Gebiet der Dienstleistungen.
Die Kaliningrader Filiale der Akademie für Volkswirtschaft garantiert heutzutage ein Studium, das den Herausforderungen der globalen Konkurrenz entspricht. Folgende Fachrichtungen werden angeboten: Wirtschaft und Buchhaltung, Rechtswissenschaft, Management und Kommerz, Technologie und Service.
Eine große Aufmerksamkeit wird dem Praktikum geschenkt, unter anderem auch dem Auslandspraktikum. In der Akademiefiliale wird ein großer Wert auf die Berufsmotivation während des Studiums gelegt. Denn erfolgreiche Absolventen können ihren Arbeitsplatz nicht nur in Russland, sondern auch in dem vereinten Europa finden.
Seit zehn Jahren absolvieren die Studenten der Fachrichtung „Technologie und Service“ ihr dreimonatiges Praktikum in deutschen Restaurants und Hotels berühmter Kur- und Badeorte: Insel Rügen und Usedom (Ostsee), Borkum und Wangerooge (Nordsee) sowie in Niedersachsen und Bayern.
Die Studenten des dritten Studienjahres legen eine Deutschprüfung ab (Deutsch wird als Fremdsprache in der Akademiefiliale gelehrt) und begeben sich in verschiedene Regionen der Bundesrepublik. Dort machen sie zahlreiche Erfahrungen in ihrer Arbeit mit qualifizierten europäischen Fachleuten und verbessern natürlich ihre Deutschkenntnisse.
Das Praktikum beginnt mit der Unterzeichnung des offiziellen Vertrages mit der Internationalen Management- und Fachvermittlung für Hotel- und Gaststättenpersonal in Deutschland (ZIHOGA). Ihre Ergebnisse erfreuen beide Seiten. Die Leiterin der Internationalen Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit, Frau Cordula Rabmund, schickte ein Dankschreiben an die Filiale der Akademie. Darin schlug sie vor, interessierten Studenten aller Fachrichtungen ein Praktikum zu ermöglichen. In diesem Praktikum werden gute Deutsch- oder Englischkenntnisse und eine gewissenhafte Arbeit verlangt.
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Bei der Arbeit in Deutschland beweisen die Studenten, dass sie im Studium gute Kenntnisse für ihren Beruf erworben haben. Viele Praktikanten werden erneut eingeladen, bereits als Fachleute dort zu arbeiten; einigen wird ein Angebot für ein anderthalbjähriges Praktikum unterbreitet. Das motiviert die jungen Fachleute und spornt sie zu noch höheren Leistungen an.
Das ist nicht überraschend. Der Restaurantbesitzer Carlo Dalto aus Cuxhaven ist mit der Arbeit der Studenten aus Kaliningrad mehr als zufrieden: „Die Studenten waren richtig gut; pünktlich, fleißig, freundlich, sprachen sehr oft Deutsch. Wir sind sehr zufrieden und freuen uns, sie im nächsten Jahr wiederzusehen. Alle Praktikanten waren teamfähig, ordentlich und sauber. Wir hatten zum ersten Mal russische Praktikanten und wir sind mit ihnen sehr zufrieden. Sie sind sehr lernfähig und ehrgeizig. Das ist ganz wichtig. Ich hoffe, dass sie sehr viele Erfahrungen bei uns gesammelt haben und diese auch in der Filiale anzuwenden wissen. Ich möchte noch sagen, dass Sie sehr gute Dozenten und ein gutes Bildungssystem haben.“ - Der Chef des Restaurants muss es wissen.
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Die italienische Restaurantkette Rialto freut sich jedes Jahr auf neue Praktikanten aus Kaliningrad
Das Praktikum ist gewiss keine Touristenreise und auch kein Spaß. Zur täglichen Arbeit, die ohnehin schwer und anstrengend ist, kommt aber nun noch die fremde Umgebung hinzu, die Gewöhnung an ein anderes kulturelles Milieu und das Denken in Maßstäben eines vereinten Europas ohne Grenzen. Wo keine Grenzen mehr der Persönlichkeitsentwicklung im Wege stehen, auch nicht die zwischen den Ländern, dort beginnt die Zukunft. “Ohne Fleiß kein Preis.“ Dieses Sprichwort ist auch die Maxime der Praktikanten. Ihr Fleiß wird schließlich honoriert mit einer reichen Lebens- und Berufserfahrung, die ihnen nach Rückkehr in die Heimat neue Horizonte eröffnet.
In diesem Sinne ebnet die Filiale der Akademie für Volkswirtschaft den Weg für ihre Studenten.
Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 10. April 2011 um 18:10 Uhr
Ehre, wem Ehre gebührt:
ein Denkmal für E.T.A. Hoffmann
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Das E.T.A. Hoffmann-Denkmal kann es vielleicht auch bald in Kaliningrad/Königsberg geben, denn der berühmte Schriftsteller E.T.A. Hoffmann wurde hier geboren und ist eine bekannte Persönlichkeit für die Pregelstadt. In seinen Werken ist dermystischen Geist der Stadt zu spüren. Jedoch wurde ihm nie die gebührende Ehre in seiner Heimat erwiesen. Die Kaliningrader entschlossen sich nun,das zu ändern.
Im Deutsch-Russischen Haus wurde das Projekt des Hoffmann-Denkmals besprochen. Sein Schöpfer ist der junge Kaliningrader Bildhauer Sergej Arischtschenko. Der Entwurf desDenkmals ist eine Diplomarbeit des Absolventen der Kunstakademie in Minsk und hinterließ auf die Dozenten der Akademie und auf die Mitglieder der Stadtregierung einen so tiefen Eindruck, so dass man dem Absolventen S. Arischtschenko vorschlug, eine Hoffmann-Skulptur auf einem der Plätze in der Hauptstadt von Weißrussland zu errichten.
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Doch Arischtschenko lehnte ab. In seinem Traum gibt es für denSchriftsteller der Romantik nur in Hoffmanns und seiner eigenen Heimat einen würdigen Platz; das ist die Stadt am Pregel. Deshalb steht heute das Modell des Denkmals im Foyer des Deutsch-Russischen Hauses in Kaliningrad, wo sich die Einwohner anlässlich des 235. Jahrestages von Hoffmann versammelten, um die Möglichkeit seiner Verwirklichung zu besprechen. ImVordergrund bei allen Gesprächen stand immer wieder die Frage:
Braucht Kaliningraddenn das E.T.A. Hoffmann-Denkmal überhaupt? Alle Anwesenden stimmten dem ausnahmslos zu. Im weiteren Gesprächsverlauf ging es darum, einen geeigneten Standort zu finden. Doch auch hier war man sich schnell einig. Man stellte fest, dass das Bronzen-Basrelief von Stanislaus Kauer am Haus in der Französischen Straße 25, dem Geburtshaus von Hoffmann, an den Schriftsteller erinnerte. Es gab noch ein weniger bekanntes Gipsrelief an einem anderen Hoffmann-Haus in der Poststraße, aber ein Denkmal wurde nie errichtet.
In diesem Zusammenhamg wurde in den Diskussionen daran erinnert, dassMichail Schemjakin schon im Jahre 2004 angeboten hatte, ein Hoffmann-Denkmal zu errichten. Allerdings wurde daraus nichts, da die Arbeit eines solchen weltberühmten Meisters als zu teuer eingeschätzt wurde. Die Rede war von Kosten über einer Million. Schemjakin sagte übrigens, wenn er das Denkmal nicht in Kaliningrad errichten kann, dann werde er es mit Sicherheit in Berlin machen.
Im Vergleich zu der expressiven und grotesken Art und Weise Schemjakins ist die Arbeit von Arischtschenko im klassischen Stil gemacht. Zieht man jedoch die zwiespältige Person von Hoffmann in Betracht, so findet man die Begründung, dass man hier nicht ohne Transformation auskommen kann. Die Gestalt des Schriftstellers ist symbolisch gespalten, so wie Hoffmann selbst es auch war: immer pendelnd zwischen dem routinierten Leben eines kleinen Beamten und der Kreativität des Schriftstellers, Malers und Musikers. Im langen Mantel des Hoffmann-Beamten verbirgt sich der Rattenkönig, der die Beamtenwelt verkörpert. Und vor den Füßen des Hoffmann-Schriftstellers sitzt das Symbol des kreativen und lebensfrohen Gegensatzes zumBürostaub, Kater Murr.
Über die künstlerische Qualität der Arbeit des Bildhauers wurden verschiedene Meinungen geäußert, sowohl von Arischtschenkos Kollegen als auch vonKunstwissenschaftlern sowie von interessierten Kaliningradern. Aber darunter gab es keine ausdrücklich negative Kritik. Das heißt, dass Hoffmann eine Chance hat, in Kaliningrad die ihm gebührende Ehre zu erhalten. Die Initiativgruppe wählte bereits einen geeigneten Ort, nämlich in der Nähe des Museums für Geschichte und Kunst (ehemalige Stadthalle), nicht weit vom Platz entfernt, wo das Hoffmann-Geburtshaus stand.
Der Leiter des Deutsch-Russischen Hauses, Andrej Portnjagin, würdigte E.T.A. Hoffmann noch einmal als eine bedeutende Gestalt in der Geschichte der Stadt. Den Aufruf an die Kaliningrader Regierung, in dem die Errichtung des Denkmals vorgeschlagen wurde,unterschrieben über 15 Leiter der öffentlichen national-kulturellen Organisationen der Region und die Vertreter des Museumsverbandes.
Im Moment werden das Denkmal-Projekt und sein Errichtungsort mit dem Regionalamt für Kultur- und Denkmalschutz abgestimmt. Gleichzeitig werden Sponsoren für den Guss, die Errichtung und für die künftigePflege des Denkmals gesucht.
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Im Kaliningrader Museum für Geschichte und Kunst wurde eine Ausstellung zum Thema „Spaziergang mit E.T.A. Hoffmann und 235 Phantasien“ eröffnet. 253 Phantasien sind Arbeiten der Maler aus Russland, der Ukraine, Litauen, Deutschland und den USA, also Werke „der positiven Leute, der Vertreter der musikalischen Hälfte der Menschheit“, wie Hoffmann selbst damals bemerkte.
Das ist bereits die sechste jährlich stattfindende Ausstellung, die Hoffmann gewidmet ist. Hier gibt es viele Genres: Malerei, Grafik, Bildhauerkunst, dekorative und angewandte Kunst, Fotographie und Installation, mit deren Hilfe die Autoren ihre Gedanken und ihr Verständnis der wunderbaren Werke E.T.A. Hoffmanns interpretieren. Darunter wird auch das Modell des Hoffmann-Denkmals von Sergej Arischtschenko ausgestellt.
Die kleinen Theaterstücke, klassische und Gitarrenmusik sowieTrickfilme, die nach Hoffmanns Werken gedreht wurden, bildeten nicht nur einen wunderbaren Hintergrund für die künstlerischen Phantasien, sondern wurden auch zu selbstständigen Ausstellungsstücken. Die Fans schufen eine riesige Torte mit 235 Kerzen und bewirteten alle Anwesenden. Solch ein süßer Beigeschmack zu den herben Texten und Gedanken Hoffmans war wirklich sehr köstlich!
Im Laufe der Geschichte erschütterten immer neue Schicksalsschläge das ostpreußische Land: Es begann mit der Bekehrung und Zwangstaufe der prussischen Heiden, gefolgt vom hindernissreichen Werdegang des einzigen wirklichen Ordensstaates in Europa bis hin zu seiner Säkularisierung und einem fast drei Jahrhunderte lang andauernden Protektorat des Königreichs Polen. Dieses Land durchstand Napoleonische Kriege und wurde zu einem der Gründerländer des Deutschen Reiches. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Ostpreußen auseinander gerissen – ein Drittel kam zu Russland, zwei Drittel gingen an Polen und das kleine Memelland liegt jetzt innerhalb litauischer Grenzen. Genau hier, in Klaipeda, wie die Stadt Memel heute heißt, lebt der Held unserer Erzählung, ein Mann mit vielseitigen Begabungen und ein aktiver Kämpfer für die Wahrung des historischen Erbes Ostpreußens, Romanas Borisovas. Obgleich sein Nachname litauisch klingt, wurde er ihm so auferlegt, als Litauen sich von der Sowjetunion abspaltete und Pässe an seine russischen Mitbürger ausstellte. Der litauische Name bekümmert ihn aber nicht, er betone seine Einzigartigkeit, schließlich gäbe es viele Borisovs auf der Welt und nur einen Maler mit dem Nachnamen Borisovas. Seine Nachfahren kommen aus Russland, leben jedoch seit Jahrhunderten im Gebiet zwischen Lötzen (heute das polnische Gizycko) und Suwalken. Als religiöse Flüchtlinge fanden sie hier ihr Zuhause. Preußen nahm zu der Zeit religiöse Flüchtling auf und zeichnete sich nicht nur durch Toleranz, sondern durch eine wahre Gastfreundschaft und Fürsorge aus. Vielleicht ist das der Grund, warum Borisovas diesem Land seine Dankbarkeit zeigen möchte, in dem er die Erinnerung an historische Zeiten zu bewahren sucht. Einen großen Einfluss auf den Werdegang des Malers nahm seine Mutter, Alexandra Sedletzki. Romanas Borisovas wurde an der Kunstakademie in Vilnius ausgebildet, hat einen Abschluss als Designer erworben, beherrscht frei die Sprachen Deutsch, Polnisch, Russisch und Litauisch und war über viele Jahre Inhaber und Leiter eines Malerateliers. Doch Aquarell und Architekturerbe scheinen ihn wie ein Magnet anzuziehen, so dass er sich in den letzten 15 Jahren ganz diesen zwei Kunstbereichen widmete. Seine Ausstellungen fanden in unterschiedlichen Ländern statt. In seiner Freizeit ist er ein leidenschaftlicher Seemann. Er besitzt schon lange das internationale Patent eines Yachtskapitäns und ist Gewinner zahlreicher Regatten, darunter auch der Regatta „Ostseewoche in Warnemünde“. Den größten Sturm der letzten Jahre auf dem Baltikum, der als Jahrhundert-Orkan in die Geschichte eingegangen ist (August 1989), erlebte Borisovas auf hoher See auf der Yacht seines Freundes Peter Schlünz aus Eckernförde. Die Yacht „Fenjala“ durchstand den Sturm unversehrt. Im Jahre 2008 nahm er an der Weltumseglung auf der Yacht „Ambersail“ teil. Das Ziel dieser Reise war es, alle litauischen Gemeinden weltweit zu besuchen und sie zu den Feierlichkeiten anlässlich des 1000jährigen Jubiläums Litauens einzuladen. Doch das wichtigste Anliegen seines Lebens ist und bleibt die Wahrung des Kulturerbes und vor allem des Architekturnachlasses Ostpreußens und das Bestreben, seine besten Seiten wieder zu beleben. Als Maler greift Borisovas immer wieder zu Aquarellfarben. Er erfindet faktisch eine neue Technik des Malens, die durch eine klare und ausdrucksstarke Technik gekennzeichnet ist. Doch die Einzigartigkeit seiner Arbeiten liegt nicht nur in ihrem künstlerischen Wert. Viele seiner in den letzten 30 Jahren angefertigten Werke sind wie eine Zeitmaschine und ermöglichen es, ein nicht mehr vorhandenes Ostpreußen zu sehen. Wenn man sie betrachtet, fühlt man die besondere Stimmung und die wahre Atmosphäre eines der ehemaligen Kultur- und Wissenschaftszentren Deutschlands – der Stadt Königsberg und ihrer Umgebung. Allein in Kaliningrad fanden vier Ausstellungen seiner Aquarellarbeiten statt. Jetzt ist eine Fotoausstellung im Empfangssaal des Kalinin- grader PEN-Zentrums in Vorbereitung; sie soll Fotos aus der Nachkriegszeit zeigen. Insgesamt fanden in Litauen, Deutschland, Polen, Russland, den USA und in Luxemburg mehr als 50 Ausstellungen statt. Kataloge und Alben sowie unzählige Kalender und Postkarten wurden herausgegeben und seine Werke von Museen und Privatsammlern aus den USA, Russland, Deutschland, Polen, Österreich, Italien, Großbritannien, Luxemburg, Australien und Kanada erworben. Fast alle seine Arbeiten sind dem ehemaligen Ostpreußen gewidmet. Das Wissen des Malers und Öffentlichkeitsarbeits-Aktivisten über die kleinsten Dörfer und Siedlungen auf dem ehemaligen Gebiet Ostpreußens im heutigen Litauen, Polen und Russland ist wahrlich enzyklopädisch. In Russland orientiert er sich besser als manch ein Heimatforscher, was das Vorhandensein und den Zustand von Bau- denkmälern in dem einen oder anderen Gebiet betrifft. Deshalb agiert er oft als Berater der örtlichen Verwaltung und der Restauratoren. Jetzt werden Verhandlungen geführt, um Borisovas als historischen Berater und künstlerischen Gestalter zur Erneuerung der Ausstellung des Kaliningrader Gebietsmuseums für Kunst und Geschichte hinzu zu ziehen, denn schließlich kann Borisovas die Zusammenarbeit zwischen den Archiven Litauens, Polens, Russlands und Deutschlands begleitend verstärken. Mit seiner Hilfe plant auch die Redaktion „Königsberger Allgemeine“ die Sphäre ihrer Interessen zu erweitern und für ihre Leser außer den Artikeln zum Kaliningrader Gebiet auch Materialien über die Geschichte und Kultur des Memellands und über den polnischen Teil Ostpreußens vorzubereiten. Die Redaktion hofft, dass solche Artikel für viele Leser interessant sein können. In Litauen setzt Borisovas seine Bemühungen darauf, die öffentliche Meinung zu formen und den Einwohnern Klaipedas klar zu machen, dass es notwendig ist, das Antlitz der Altstadt zu bewahren und zumindest dort wieder herzustellen, wo es nach den gnadenlosen Kämpfen des sinnlosen Krieges verloren ging oder durch eine schlecht durchdachte Stadtplanung im Zuge der Wiederherstellung nur fragmentarisch vorhanden ist. Die öffentliche Organisation „Preußisches Litauen“, dessen aktives Mitglied Borisovas ist, engagierte sich als erste, als es darum ging, das Museum des Christian Donelatius, welches seinen Standpunkt in der ehemaligen lutherischen Kirche in Tollmingkehmen hat, von der Übergabe an die russisch-orthodoxe Kirche zu retten. Die Organisation wies die litauische Regierung auf die Notwendigkeit hin, politische Maßnahmen zur Rettung des Andenkens des weltweit bekannten christlichen Pastors und Literators zu ergreifen. Dank der gemeinsamen Bemühungen vieler öffentlichen Organisationen Russlands und Litauens und der Bitte der litauischen Präsidentin Dalia Grybauskaite und der deutschen Kanzlerin Angela Merkel gelang es den Enthusiasten, den Status der historischen Museen im Königsberger Dom und der Kirche in Tollmingkehmen zu schützen. Eine Rolle spielte dabei auch das Engagement des Malers Romanas Borisovas. Doch er selbst betont immer wieder, dass er allein nichts bewirkt hätte und lobt andere Enthusiasten. Er veranlasste die Organisation „Preußisches Litauen“ dazu, das Engagement des Vorsitzenden der Kaliningrader Abteilung der Schriftstellervereinigung Russlands, Boris Bartfeld, durch eine besondere Auszeichnung zu ehren. Boris Bartfeld war einer der aktivsten Beschützer des Christian-Donalitius-Museums im Kaliningrader Gebiet. Borisovas überreichte persönlich einen Dankesbrief und schenkte dem Klub des „Bohnenkönigs“, der die Bewahrer der Kant-Traditionen und des Andenkens an die Geschichte des Ostpreußens vereint, eine von ihm angefertigte Kopie einer alten Zeichnung, welche das Haus des Philosophen nahe dem Königsberger Schloss zeigt.
Vladimir KHARCHENKO
Foto:Borisovas auf seiner Ausstellung in Leuchtturm des „Fischerdorfes“
Portr?ts als echtes ?lgem?lde, wie man sie in Schl?ssern und Museen bewundern kann, sind in unserer heutigen Zeit kaum noch an einem anderen Ort zu sehen. Das gro?e Personenbild, das in der Malerei vergangener Jahrhunderte eine so wichtige Rolle spielte, hat aber im Laufe der letzten Jahrzehnte wieder an Bedeutung gewonnen und ist nicht mehr nur in Ahnengalerien auf den Chefetagen manch gro?er Konzerne zu finden. Gr??en des Showbiz, W?rdentr?ger in Politik und Kirche – vom Pr?sidenten bis zum Papst, das sind heutzutage die Auftraggeber, die sich auf der Leinwand in ?l verewigen lassen.
W?hrend man fr?her oftmals nach einem Atelier eines Kunstmalers lange suchen musste, erleichtert uns heute das Internet die Suche oder man greift zum „Allgemeinen K?nstlerlexikon“. Dort finden wir auf der Seite 483 den Eintrag: Michael Cleff, deutscher Maler, geb. am 23.11.1947, K?nstlername Cleff III., Enkel des Bildhauers Erich Cleff (der ?ltere) und Sohn des Malers Erich Cleff (der J?ngere). Mit berechtigtem Stolz kann Cleff III. von sich sagen, dass er aus einer bekannten K?nstlerdynastie stammt. Sein Gro?vater war Bildhauer und Professor in Wuppertal und Salzburg, sein Vater renommierter Portr?tmaler in Hamburg und Berlin. Nach dem II. Weltkrieg hatte sich sein Vater in Bamberg niedergelassen. Bei ihm ging Michael Cleff zun?chst in die „Lehre“. Danach kam in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts der Durchbruch zur Portr?tmalerei mit ganz pers?nlichen Stilelementen. Im Vorwort von Dr. Karl-Georg Pf?ndtner zum Ausstellungskatalog „280 Jahre Cleff“ lesen wir u.a.: „Zeitgleich mit den Pionieren der Postmoderne wandte er sich von der Abstraktion ab und fand zur?ck zu Landschaft und Stilleben, zur Darstellung des Menschen, zur Portr?tmalerei. In seinen Bildern verschmilzt Cleff III. Expressive Elemente mit Realismen der Postmoderne. Farbigkeit, mutige Kompositionen und ein sich in vielfachen Farben brechendes Liniennetz verzaubern das Sujet, geben den Bildern ihr Charakteristikum, setzen Akzente und verst?rken die Aussagekraft.“ Cleff III. geh?rt zu den bedeutendsten Portr?tmalern unserer Zeit. Prominente wie Wolfgang Wagner in Bayreuth, Au?enminister a.D. Hans-Dietrich Genscher, Alt-Bundespr?sident Roman Herzog, Ministerpr?sident Edmund Stoiber und Bill Clinton, Seine Kaiserliche Hoheit Otto von Habsburg, die P?pste Johannes Paul II. und Benedikt XVI., Schauspieler wie G?nter Strack und G?tz George wurden von ihm portr?tiert. Beim Portr?tieren muss aber keiner mehr stunden- oder tagelang als Modell vor ihm sitzen. Bevor der Maler Cleff III. den ersten Pinselstrich ?ber die grundierte Leinwand zieht, die es in dieser Form bereits fertig zu kaufen gibt, wird zun?chst der Fotograf Michael Cleff t?tig. In Sekundenschnelle klickt der Ausl?ser der Kamera, um eine Serie von m?glichst vielen Momentaufnahmen zu machen. Das „Modell“ sucht dann aus dieser Serie den gew?nschten Augenblick f?r das ?lbildnis heraus und damit ist das „Modellsitzen“ beendet. Landschaftsbilder und Stilleben wurden neben seinen Portr?ts immer wieder auf internationalen Ausstellungen gezeigt. Im Rahmen der Traditionspflege in der j?ngsten und zugleich einer der ?ltesten Universit?ten Bayerns hat Cleff III. alle Rektoren portr?tiert, die seit der Wiedergr?ndung der Gesamthochschule 1972 in Amt und W?rden waren, angefangen bei Prof. Dr. Dr. Othmar Heggelbacher und Prof. Dr. Elisabeth Roth. Die Gem?lde sind zu sehen im Neuen Senatssaal in der Kapuzinerstra?e 25. Im Jahre 2005 wurde die Malerdynastie Cleff 280 Jahre alt. Aus diesem Anla? stellte Cleff der Dritte eine umfangreiche Sammlung von Werken als Querschnitt Cleff?schen Schaffens zusammen, die in der Aula der Otto-Friedrich-Universit?t Bamberg zu sehen war. Die n?chste Ausstellung m?chte Michael Cleff zum Gedenken an seine Mutter Irmgard, geborene Franz, gerne in Kaliningrad / K?nigsberg zeigen. Hier wurde seine Mutter 1921 geboren und bis zu ihrem Tod im Jahre 2000 war sie ihrer Heimatstadt in fester Treue verbunden. Das sp?rte er immer aufs Neue, wenn sie vom Alltagsleben in K?nigsberg oder von den zahlreichen Ausflugsfahrten in die Umgebung und insbesondere zu den Ostseeb?dern Cranz und Rauschen erz?hlte. Ihr zum Gedenken m?chte Cleff III. als ihr Sohn Michael diese Ausstellung widmen. Mehr Informationen findet der interessierte Leser auf der Internetseite www.cleff3.de oder er kann seine Fragen auch direkt ?ber eine Mail an die Adresse:
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Du musst JavaScript aktivieren, damit Du sie sehen kannst.
richten. Ganz w?nschenswert im Sinne des K?nstlers w?re nat?rlich ein pers?nlicher Anruf; einfach plaudern miteinander oder auch fachsimpeln mit Hobbymalern, denen Herr Cleff manche Anregung geben kann. Wie so oft im Leben, wird sich dabei best?tigen, das wirklich gro?e K?nstler nicht fern auf Wolke 7 leben, sondern mitten unter uns sind. Sie glauben es nicht? – Rufen Sie doch einfach mal an: 0049-951 63840.
Wolfram NEUFELDT
Foto: Cleff III. (rechts) im Gespr?ch mit Au?enminister a.D. Hans-Dietrich Genscher
In Kaliningrad wird eine der russischen f?deralen Universit?ten er?ffnet.
Die Verordnung ?ber die Gr?ndung der Baltischen F?deralen Universit?t (BFU) wurde vom Pr?sidenten Dmitrij Medwedew am 13. Oktober unterschrieben. Die Basis f?r die neue Bildungseinrichtung wird von der Russischen Staatlichen Universit?t „Immanuel Kant“ gebildet. F?r die organisatorischen Veranstaltungen wurde eine Zeit von drei Monaten bestimmt. Das Programm f?r die Entwicklung der Baltischen F?deralen Universit?t soll im Laufe eines halben Jahres vollst?ndig vorbereitet und bewilligt werden. Es entspricht der g?ngigen Praxis der Gr?ndung von f?deralen Universit?ten, dass sich einige, bereits in der Region vorhandene Hochschulen und h?here Bildungseinrichtungen, zusammenschlie?en. Im Fall Kaliningrad ist von der Kaliningrader Staatlichen Technischen Universit?t und der Baltischen Staatlichen Akademie der Fischindustrie die Rede. Fr?her wurden solche Vereinigungen problemlos durchgef?hrt. Aber die Kaliningrader Situation wird dadurch erschwert, dass die oben genannten Bildungseinrichtungen nicht dem Ministerium f?r Bildung und Kultur Russlands, sondern der Agentur f?r Fischfang unterstehen. Und die Agentur erkl?rte ihrerseits durch ihren Leiter Andrej Krajnego, dass sie diese Bildungseinrichtungen, die eine sehr gro?e Rolle bei der Ausbildung von spezialisierten Fachkr?ften haben, nicht aus ihrem Einflussgebiet verlieren m?chten. Die regionalen Beh?rden der Stadt bestanden mehrere Jahre auf die Gr?ndung der F?deralen Universit?t. Sie machten die Regierung auf die besondere Lage der Region und auf seinen Pilotstatus aufmerksam sowie auch auf die geopolitische Wichtigkeit der russischen Anwesenheit in Europa durch die Entwicklung des wissenschaftlichen Bildungspotentials im russischen Baltikum. Man muss jedoch bemerken, dass die Gr?ndung einer f?deralen Universit?t in Kaliningrad formell gesehen nicht vollkommen rechtm??ig ist, da die Verordnung ?ber die Bildung solcher Universit?ten in Russland nur die Gr?ndung einer einzigen solchen Bildungseinrichtung pro Verwaltungskreis vorsieht. Insgesamt gibt es in Russland acht solcher Bezirke. Das Kaliningrader Gebiet ist dem nordwestlichen Verwaltungskreis zugeordnet und in diesem Verwaltungskreis besteht bereits eine solche Einrichtung; das ist die Arktische F?derale Universit?t in Archangelsk. Dennoch ?berwogen die Argumente zur Bildung eines leistungsstarken wissenschaftlichen Ausbildungszentrums in der russischen Exklave die formalen Erw?gungen und Zweifel. Die regionalen Beh?rden meinen, dass die Gr?ndung der Baltischen F?deralen Universit?t ein ganz besonderes Ereignis f?r das Gebiet sei. Die basisbildende Einrichtung, die Immanuel-Kant-Universit?t, bildet nicht nur Fachkr?fte f?r die Region aus, sondern auch f?r das Kernland Russland. Es studieren dort auch Studenten aus EU-L?ndern. Der Gouverneur Nikolaj Zukanov sieht in der BFU einen Faktor der qualitativen sozial-?konomischen Entwicklung und der Modernisierung der Region. Eine solche Ansicht ist begr?ndet, denn die Verordnung ?ber die F?deralen Universit?ten beschreibt ihre strategische Mission als Bildung und Entwicklung eines konkurrenzf?higen menschlichen Kapitals im Verwaltungskreis als Folge der Realisierung innovativer Dienstleistungen und Entwicklungen. Auch in Moskau setzt man gro?e Hoffnungen in die neue Universit?t. Deshalb ist es angebracht, an dieser Stelle ein langes Zitat des Pr?sidenten Medwedew anzuf?hren; Worte, die er w?hrend des letzten Treffens mit dem Gouverneur des Kaliningrader Gebietes sprach: „Ich habe die Verordnung ?ber die Gr?ndung der Baltischen F?deralen Universit?t unterschrieben. Ich hoffe, dass diese Ver?nderung sich auf die Qualit?t der Ausbildungstechnologien, die an der Universit?t angewendet werden, auswirken wird. Es ist sehr wichtig, den Professoren- und Ausbilderbestand besonders ins Auge zu fassen, auch weil man den allgemeinen sozialen Status der Lehrer verbessern muss. Als zweites muss man sich bem?hen, ausw?rtige Professoren und Dozenten einzuladen, damit sie Vorlesungen an der Universit?t geben k?nnen und auf diese Weise einen informativen Einfluss schaffen. Insbesondere deshalb, weil die Studenten hier international sind; sie kommen aus verschiedenen L?ndern, darunter auch aus den angrenzenden europ?ischen Staaten. Die Einladung ausl?ndischer Professoren w?rde diese Tendenz noch verst?rken.“ Wir m?chten den internationalen „Vektor“ der Erwartungen Herrn Medwedews besonders ins Auge fassen. In Kaliningrad l??t man seit jeher die W?nsche zur Umwandlung des Gebietes in ein Anziehungszentrum f?r Studenten und Professoren aus postsowjetischen L?ndern und Staaten der Baltischen Region verlauten. Es wird eine entsprechende materielle Basis geschaffen werden. Da die f?deralen Universit?ten als erstklassige Lehr- und Wissenschaftszentren entstehen, wird ihre Finanzierung durch besondere Substitutionen gesichert und ?bertrifft wesentlich die Mittel, welche gew?hnlichen Universit?ten und Hochschulen gew?hrt werden. Allein der Organisationsprozess wird mit f?nf bis sechs Milliarden Rubel (bis zu 150 Millionen Euro) finanziert. Darauf folgen j?hrliche Infusionen in Milliardenh?he. In Kaliningrad werden keine Probleme mit den R?umlichkeiten f?r die Lehrveranstaltungen und die wissenschaftliche Arbeit der Baltischen F?deralen Universit?t entstehen. Zurzeit wird die T?tigkeit von zwei speziellen Hochschulen verk?rzt – des Juristischen Institutes des Innenministeriums und der H?chsten Kriegsmarinebildungseinrichtung. Die dazu geh?renden Immobilien k?nnen ins Eigentum der F?deralen Universit?t ?bergehen. Dar?ber hinaus kann die BFU ihre Professoren und Dozenten „einziehen“.
Laterna Magica. Die Zauberlaterne in der ?bersetzung aus Lateinischen. Es ist kaum m?glich, einen besseren Namen f?r die Ausstellung auszudenken, die dem 205. Geburtstag von Hans Christian Andersen gewidmet ist.
ЭIhm geh?rt die Zauberlaterne, die schon so vielen Generationen von D?nen, Deutschen, Russen und vielen anderen V?lkern rund um die Welt den Eintritt in die m?rchenhafte Welt bestrahlt. Man kann dieser Bezeichnung auch eine andere Erkl?rung geben. Die Landsm?nner und Zeitgenossen Andersens gaben ihr wegen der Gr??e und Magerkeit den Spitznamen „die Laterne“. So galt der gro?e M?rchendichter schon damals in den Gesellschaftskreisen als „Laterne“, w?hrend seine Werke noch nicht anerkannt waren. Die Er?ffnung der Ausstellung im Kaliningrader Kunsthistorischen Museum verlief ungew?hnlich – so ist auch das Werk von Hans Christian. Die Projektautorin, die Kunstabteilungsleiterin Valentina Pokladowa, lie? zusammen mit den anderen Organisatoren und Teilnehmern vor den Augen der erstaunten ?ffentlichkeit wei?e Tauben in den Himmel ?bers Museum fliegen. In den S?len wartete schon der kleine Musiker mit seinem „St?bchen mit sieben L?chern drin“, der magische Melodien daraus zog. Und dann gab es noch das mit den Schwefelh?lzern, das von ihrem sogar im M?rchenland schweren Leben r?hrend erz?hlte; alles vor dem Hintergrund einer hervorragenden sieben Meter gro?en Tafel des Kaliningrader K?nstlers Alvidas Mikalauskas, die das alte Kopenhagen darstellte. Solch eine feine Einstellung zur Aufnahme in die Welt des Traumes und der zauberhaften Tricks erf?llte ihren Zweck trotz vieler Puppengestalten, die zugleich Kinder und Erwachsene bezauberten. Sie waren alle in ihren vielen Gesichtern hier: Ole Lukkoye, kleine R?uberinnen, G?nsebl?mchen und Lerchen, K?nige und Schweinehirte, die Hirtinnen und die Schornsteinfeger, die kleinen Meerjungfrauen... Welch un?hnliche, am?sante, wunderbare Gestalten! Die H?nde streckten sich von selbst aus, um nach ihnen zu greifen, aber das Schaufensterglas besch?tzte die M?rchenatmosph?re davon, durch Ber?hrung zerst?rt zu werden. So blieb diese Welt sichtbar, aber nicht sp?rbar. Jedoch sind es Menschen aus Fleisch und Blut, die Puppen und andere Ausstellungsgegenst?nde kreieren. Sie leben in Kaliningrad und anderen russischen St?dten, in Litauen, Lettland, Estland, Usbekistan. Und in diesem Museum bekamen sie ihre verdienten Auszeichnungen aus den H?nden von Valentina Pokladowa und Diana Gubanova, des Oberhaupts der Baltischen Gilde von Puppen- und Spielhandwerksmeistern. Beim Ausstellungsausgang (oder Eingang, kommt darauf an) kam pl?tzlich das Schwarzbrett zum Vorschein. Ein ganz gew?hnliches Brett – schwarz, auf Dreifu? befestigt. An der Tafel stand: „Schwanengesangskursen nach der neuen Schnelllernmethodik“. Und eine Telefonnummer dazu. Es k?nnte doch Sinn haben, dort anzurufen, nicht wahr?
In Kaliningrad fand das 5. Internationale Musikfestival "Don Chento Jazz – 2010“ statt. Im Laufe von drei Tagen traten im Sommer-Theater des Zentralparks vor zahlreichem Publikum weltbekannte Stars neben jungen Interpreten auf.
Das Kaliningrader Musikfestival ist trotz des Wortes Jazz in seiner Bezeichnung kein klassisches Jazz-Festival. Hier kann man sich sowohl Swing, als auch Dixieland und nat?rlich auch viele andere Musikrichtungen anh?ren. Das Programm wird nach folgendem Prinzip zusammengestellt: es erklingt nur Musik, die die Grundlagen vom Jazz in sich hat – Freiheit im Umgang mit Musikstoff und Improvisation. „Don Chento Jazz“ wurde sofort zum Lieblingsfestival der Kaliningrader, ganz unabh?ngig von ihrem Alter und den musikalischen Vorlieben. M?glicherweise deshalb, weil die Freiheitsgef?hle und die Expression der Jazz-Musik mit der Mentalit?t von St?dtern ?bereinstimmt. Zugegeben, es war beinahe unm?glich, sich nicht in das „Don Chento Jazz“ zu verlieben, wo schon beim ersten Festival im Jahre 2006 das legend?re Gesang-Quartett „Manhattan Transfer“ zu dessen Headliner wurde. Seitdem kommen nach Kaliningrad jeden Sommer solche Ber?hmtheiten, wie Incognito und Cosmos, Fuse und Touch And Go, De Phazz und Us3, Vayo Con Dios und Richard Galliano, Victor Bailey, Lenny White und Nino Katamadse. Dieses Jahr war in Kaliningrad eine Vielfalt von Stilen und Kunstrichtungen vertreten: die ungarische ethno-fusion Band Djabe, die unglaubliche deutsche Jazzanova LIVE mit dem Steve Hackett, Gitarristen aus GENESIS, das expressive Brass Bastardz Orchestra aus Litauen, die holl?ndische Saxofon- und Herzensk?nigin Candy Dulfer, Nachfolger des jazzigen kanadischen Gesangstandarten Matt Dusk sowie die h?bsche Interpretin vom sch?nen Lounge-Jazz aus Italien, Gabin. Das Amphitheater, die Aussichtsplattformen und die gr?ne Zone des Sommer-Theaters waren ?berf?llt von Zuschauern. Die Wetterlage wirkte dabei etwas bedrohlich. Gewitterfronten wechselten einander ab und ergossen sich auf die Stadt mit starken Regenf?llen. Als Gl?ck im Ungl?ck kann man Regenpausen betrachten, die immer zum Programmbeginn eintraten, so dass das Himmelswasser keinesfalls die Erdenmusik gest?rt hatte. Der Regen bedeutet f?r die Kaliningrader ohnehin kein wesentliches Hindernis. Das ?rtliche Sprichwort r?t: „Soll Ihnen das Kaliningrader Wetter nicht gefallen, dann warten Sie f?nf Minuten ab“. Die Festival-Atmosph?re war traditionsgem?? jazzig, freiz?gig und wohlwollend. An keinem der drei Abende brauchte das Publikum viel Zeit, um sich gut zu f?hlen und ihre Emotionen mit den B?hnenschwingungen zu vereinen. Die Fl?che vor der B?hne f?llte sich schnell mit Tanzenden auf. Mitspielbereitschaft und die positive Stimmung der „Don Chento Jazz“- Fans verschafften den Musikern zus?tzliche Energie, f?r die sie sich mehrmals herzlich beim Publikum bedankten. Es war eine absolute Einigkeit und volles Verst?ndnis. Das sind Markenzeichen von „Don Chento Jazz“. Eine Best?tigung daf?r war der Auftritt von Candy Dulfer, die das Festival-2010 abgeschossen hat. Ihr ber?hmter Song Lily Was Hier l?sst bis jetzt keinen Kaliningrader gleichg?ltig. Candy hat das Publikum nicht nur durch ihre meisterhafte Beherrschung des traditionell m?nnlichen Instruments Saxofon oder durch ihre Sch?nheit begeistert, sondern auch durch ihre pers?nliche Teilnahme an der Feier: sie stieg von der B?hne hinunter und tanzte umgeben von ihren Fans. Dabei verga? sie nicht ihre Saxofonpartien zu spielen. Abgeschlossen wurde ihr Aufritt mit einem tausendstimmigen Chorgesang vom Song Sax A Go-Go. Wer sagt denn, dass Jazz eine Elite-Musik ist? Es stimmt eher eine andere Behauptung: Musik kann schlecht oder gut sein. Beim „Don Chento Jazz“ gibt es nur gute Musik, was Jahr f?r Jahr neu bewiesen wird. Zum Abschied versprachen die Organisatoren eine ?berraschung, die auf die G?ste beim n?chsten Festival wartet. Es gibt keinen Zweifel daran, dass diese ?berraschung tats?chlich sehr lebhaft und bemerkenswert sein wird. Jetzt bleibt uns nur ?brig, geduldig auf den August 2011 zu warten.
Marina BELOWA
Foto: Die holl?ndische Saxophonistin Candy Dulfer zeigte den Kaliningrader den echten Jazz. Und gewann ihre Herzen
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 31. August 2010 um 11:02 Uhr
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„Schloss Friedrichstein und dessen Bewohner tauchen aus der Vergangenheit auf“; so kommentierte die Gr?fin Tatjana D?nhoff das von Dr. Kilian Heck und Christian Thielemann geschriebene Buch „Friedrichstein - Das Schloss der Grafen von D?nhoff in Ostpreu?en“ w?hrend der Er?ffnung einer Ausstellung in Kaliningrad. Motive aus diesem Buch liegen der Ausstellung zu Grunde.
Friedrichstein (heute Siedlung Kamenka) ist der Familiensitz des Grafenstamms von D?nhoff. Unsere moderne Gesellschaft kennt den Schloss- und Familiennamen dank der gemeinn?tzigen und journalistischen T?tigkeit der Gr?fin Marion D?nhoff. Familienmitglieder aus ganz Europa versammelten sich in Kaliningrad. Viele von ihnen kamen zum ersten Mal in das Land ihrer Ahnen. Vom riesigen, am Anfang des XVIII. Jahrhunderts erbauten Barock-Schloss und dem wundersch?nen Schlosspark ist heute fast nichts mehr ?briggeblieben. Ende Januar 1945, nachdem Friedrichstein von der Roten Armee eingenommen wurde, ereignete sich im Schloss eine starke Explosion, durch die das Geb?ude v?llig zerst?rt wurde und ausbrannte. Die Mauerreste wurden sp?ter abgetragen, um Ziegel zu gewinnen. Es ist nicht auszuschlie?en, dass Mauern mancher Geb?ude in Kamenka oder auch in Kaliningrad mit diesen Ziegelsteinen errichtet wurden. Was zur damaligen Zeit eben nur Ziegelsteine waren, w?ren heute Erinnerungsst?cke eines der pr?chtigsten ostpreu?ischen Adelsh?fe. Wie gro?artig muss Schloss Friedrichstein mit seiner Parkanlage gewesen sein, wie prachtvoll das Schlossinterieur und wie kostbar seine Kunstsammlungen! All das k?nnen wir nur erahnen, wenn wir voller Ehrfurcht und Mitgef?hl durch die Ausstellung gehen, nachdenklich die vielen Fotos betrachten und an den Informationsst?nden unsere Eindr?cke miteinander verkn?pfen. Dann kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo sich eine Frage immer wiederholt: Wo hat eigentlich der Krieg noch etwas ?brig gelassen von der damaligen Pracht? Spricht man von Kaliningrad und seiner Region, dann sind es lediglich die Neptun-Statue und einige Steinmasken, die sich im Innenhof der Russischen Staatsuniversit?t „Immanuel Kant“ befinden; einiges befindet sich auch in den Museen Polens. Nicht nur die Mitglieder der Familie von D?nhoff, sondern alle Besucher der Ausstellung trauerten ?ber den Verlust dieses Geschichts- und Kulturdenkmals sowie der wunderbaren Sammlungen, die Friedrichstein damals beherbergte. Nicht umsonst wird dieser Adelshof vom Mitverfasser des Buches, Kulturologen und Privatdozenten der Universit?t von Frankfurt/Main, Dr. Kilian Heck, als eines der besten Beispiele f?r eine Schlossarchitektur auf dem Territorium von Berlin bis Sankt Petersburg bezeichnet. Wenn wir heute mit realistischem Blick die geschichtlichen Ereignisse und die Nachkriegszeit einsch?tzen und einfach mal annehmen, dass das Schloss ?berlebt h?tte, selbst dann w?ren seine ?berlebenschancen ?u?ert gering gewesen. Keineswegs wegen der kommunistischen Klassenfeindseligkeit, sondern aus ganz simplen materiellen Gr?nden. F?r Schl?sser gab es im harten Alltag eines sowjetischen Kolchose-Dorfes keinen Platz. Ohne ihre urspr?nglichen Besitzer h?tten diese riesigen Bauten ihren Nutzen vollkommen verloren: zu gro? und zu abgelegen, um von hier aus bescheidene administrativen Dorfunktionen auszuf?hren und viel zu entfernt beziehungsweise sogar wesensfremd von den bescheidenen Anforderungen und Bed?rfnissen eines Bauers. Das betrifft nicht nur Ostpreu?en; dasselbe passierte auch in Russland. Erst in den letzten Jahrzehnten, seitdem es keine verbotenen Gespr?chsthemen mehr gibt, ist in Kaliningrad das breite Interesse f?r das kultur-geschichtliche Erbe dieser Region deutlich gestiegen. Zu dieser Schlu?folgerung kam auch der Generalkonsul Deutschlands in Kaliningrad, Dr. Aristid Fenster, als auch der Abgeordnete der Kaliningrader Gebietsduma, Boris Batalin, in ihren Ansprachen. Jetzt gibt es den Wunsch, dass sich die Geschichte dieser Region, die zu einem Gemeingut von Deutschen und Russen geworden ist, auch weiterhin bei einer noch engeren Kooperation zwischen unseren V?lkern entfalten m?ge. Zu den Veranstaltern dieser Ausstellung im Deutsch-Russischen Haus geh?rt ebenfalls das Deutsche Kulturforum f?r ?stliches Europa in Potsdam. Nach Einsch?tzung der Vertreterin des Forums, Dr. Claudia Tutsch, zielen solche und ?hnliche Projekte darauf ab, das gro?e und vielf?ltige Kulturerbe, welches unsere L?nder und V?lker objektiv verbindet, f?r alle jetzigen Bewohner dieser Region zu ?ffnen. Es ist sehr bemerkenswert, dass dieser herrliche Besitz der Familie von D?nhoff sogar nach seiner Zerst?rung noch eine bedeutende Rolle bei der Wiederbelebung des hohen Stellenwertes ostpreu?ischen Kulturerbes f?r das moderne Kulturleben des Kaliningrader Gebietes und Deutschlands aus?bt. Mit anderen Worten: Wer kann wissen, ob das Schloss Friedrichstein nicht ein zweites Leben bekommen wird? Dr. Aristid Fenster sagte zumindest, dass das Grundst?ck, auf dem sich das Schloss und der Park befanden, zum Verkauf angeboten worden ist. Er w?nschte, dass der hohe Geist von Friedrichstein die zuk?nftigen Besitzer auf dessen Wiederaufbau einstimmen w?rde. Dr. Kilian Heck sagte als Kunstexperte, dass es sehr gut w?re, wenn man einem solchen Ort, der f?r die europ?ische Kultur so wichtig ist, den Status eines Kulturobjektes verleihen w?rde: „Das ist die gemeinsame Vergangenheit von Deutschen und Russen, die unbedingt erhalten werden muss“. Kommen wir noch einmal zur?ck zum Buch „Friedrichstein – Das Schloss der Grafen von D?nhoff in Ostpreu?en“. Christian Thielemann ist nicht nur Mitverfasser dieses Buches, sondern auch der Dirigent des weltber?hmten Sinfonieorchesters „Die Wiener Philharmoniker“. Einen Tag nach der Ausstellungser?ffnung hat das Orchester ein gro?es Konzert in Kaliningrad gegeben, das dem 200j?hrigen Jubil?um des Orchestergr?nders und K?nigsbergers Carl Otto Ehrenfried Nicolai gewidmet war (mehr dazu auf Seite 1, 11). So kommen in der modernen Welt auf ganz unterschiedlichen Ebenen neue kulturelle Bindungen zustande, die Volksgruppen und Menschen ann?hern. Wie seltsam es auch klingen mag, diese Bindungen entstehen heute f?r die Zukunft und haben ihre Wurzeln doch in einer fr?hen als auch weit zur?ck liegenden Vergangenheit.
Im modernen Russland gibt es viele national-kulturelle Vereine. Ihr Ziel ist eine vom Staat unterst?tzte Erhaltung und Entwicklung der nationalen Kultur im Rahmen eines riesigen multi-kulturellen Landes. In einer Kleinstadt des Kaliningrader Gebietes wie Gwardeisk (ehem. Tapiau) arbeitet schon seit mehreren Jahren die Kaliningrader regionale ?ffentliche Gesellschaft der Russlanddeutschen, welche mit sehr viel Enthusiasmus am Leben erhalten wird.
Elsa Kowaljowa ?bt seit f?nf Jahren die sorgenvolle Stellung der Vorsitzenden von dieser Gesellschaft aus, welche im Fr?hjahr 1995 gegr?ndet wurde. Am 15. Juni 2003 fand im Zentrum von Gwardeisk, in einem Haus auf der Leninstrasse, die feierliche Er?ffnung eines „Treffpunktes“ f?r alle hiesigen Russland- deutschen sowie auch f?r alle anderen Menschen mit unterschiedlichen Nationalit?ten und einem gemeinsamen Interesse f?r die deutsche Kultur und Sprache statt. Dank einer finanziellen Hilfe aus Deutschland wurde das ziemlich alte Treffpunktsgeb?ude renoviert, sodass heute seine Besucher, darunter auch G?ste aus Deutschland, in einem gem?tlichen, bequemen und komfortablen Treff-, Konferenz- und Freizeitraum empfangen werden k?nnen. ?brigens stehen den G?sten aus Deutschland einige komfortable Hotelzimmer zur Verf?gung. Der „Treffpunkt“ der Deutschen von Gwardeisk f?hrt eine aufkl?rende, bildende und soziale T?tigkeit. Hier gibt es Lernkurse der deutschen Sprache, hier werden Seminare und Konferenzen sowie nationale Feste und Unterhaltungsabende veranstaltet. Trotz des Arbeitsflei?es, der eine unbestrittene Tugend des deutschen Volkes ist, leben nicht alle Vertreter der russlanddeutschen Gemeinde in Zufriedenheit. Deswegen widmet sich die Gesellschaft der Russlanddeutschen ihrer sozialen Unterst?tzung. Es ist eine bescheidene finanzielle Hilfe, welche beispielsweise in schwierigen Lebenslagen, in Krankheitsf?llen oder bei der Ausbildung der Kinder gew?hrt wird. Hilfe und Unterst?tzung bekommen die Kinder auch individuell bei der sinnvollen Organisation ihrer Freizeit. Die Gesellschaft der Russlanddeutschen ist aber auch bem?ht, ?ber ihren Rahmen hinaus zu wirken, indem sie versucht, entsprechend ihren M?glichkeiten Waisen- und Krankenh?usern, Sozialorganen, Bauernh?fen, Veteranen und armen Familien der Region ungeachtet ihrer nationale Angeh?rigkeit zu helfen. Viele engagierte Mitglieder der Gesellschaft haben infolge des Zerfalls der UdSSR und durch unz?hlige Umz?ge einen schwierigen Neuanfang in ihrem Leben durchgemacht. Darunter auch die Methodistin, Organisatorin und auch Buchhalterin der Gesellschaft, Walentina Bedke, die in den 90er Jahren zusammen mit ihrer Familie ins Kaliningrader Gebiet kam und durch schwere Arbeit in der Landwirtschaft einen bescheidenen Wohlstand f?r sich und die Familie erreicht hat. Jetzt kann sie bei ihrer hingabevollen T?tigkeit f?r die Gesellschaft am besten am eigenen Beispiel allen Mitgliedern klarmachen, dass nur eine zielstrebige Arbeit, Flei? und eine positive Lebenseinstellung die sichere Grundlage f?r pers?nliches Gl?ck und Wohlstand bilden. Infolge der Weltfinanzkrise gingen die Spenden aus Deutschland deutlich zur?ck. Doch die Deutschen in Gwardeisk reagieren darauf mit Gelassenheit und Verst?ndnis. Sie entwickeln ihren eigenen kleinen Hotelkomplex und laden Touristen aus Deutschland und anderen europ?ischen L?ndern zu einem Besuch in ihren „Treffpunkt“ ein, wo jedem ein liebevoller Empfang bereitet wird.
Nach 70 Jahren staatlicher Atheismus kam in Russland ine religi?se Renaissance. Es werden die alten Kirchen unterschiedlicher Konfessionen restauriert und neue erbaut. Jeder, der sich an Gott wendet, hat ein Recht darauf, sein Gebet an einem Ort zu machen, das seinem Glauben entspricht.
Ein solches Recht haben auch die Mitglieder der russisch-orthodoxen Altgl?ubigen-Kirche. Es ist tats?chlich eine sehr altert?mliche Kirche, deren Riten der orthodoxen Tradition entsprechen, die im Russischen seit dem X. Jahrhundert gelten. Der von der absoluten monarchischen Macht unterst?tzte Klerus f?hrte im XVII. Jahrhundert neue religi?se Riten ein, welche mit viel Massengewalt und Brutalit?t eingeb?rgert wurden. Es kam zu einer kirchlichen Spaltung. Alle, die mit den neuen Riten nicht einverstanden waren, fl?chteten in den Norden nach Sibirien, in den Kaukasus und in die osteurop?ischen L?nder. Seitdem gibt es die Gemeinden von orthodoxen Altgl?ubigen in Rum?nien, Bulgarien, Moldawien, Polen, ?sterreich, T?rkei, Deutschland und sogar in China. Etwas sp?ter entstanden diese auch in Australien sowie im Nord- und S?damerika. F?r einen Laien sind die Riten-Unterschiede nicht von wesentlicher Bedeutung. Doch f?r die Anh?nger von alten Riten sind diese keine Formalit?t, sondern ein unentbehrlicher Bestandteil ihres Glaubens. Wie ein Gef??, das beim Zerbrechen seinen Inhalt verliert, so sind f?r die Altgl?ubigen die neuen Riten, welche die Grundlage ihres Glaubens zerst?rten.
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Aus diesem Grund k?nnen die Altgl?ubigen nicht in der orthodoxen Kirche der neuen Ordnung beten, obwohl in ihren eigenen Kirchen alle Orthodoxen zum Gebet zugelassen sind. Die Altgl?ubigen brauchen eine eigene Kirche. Nach 300 Jahren der Unterdr?ckung hat die Altgl?ubigen-Kirche endlich Freiheit und Anerkennung bekommen; es wurde ihr die M?glichkeit gegeben, eigene Tempel zu bauen. Davon gibt es mittlerweile Dutzende. Im Kaliningrader Gebiet gibt es schon seit sechs Jahren eine Altgl?ubigen-Gemeinde. Organisiert und geleitet wird diese vom Vater Witalij, der in Kaliningrad seit 1946 ans?ssig ist. Doch einen Tempel hat die Gemeinde immer noch nicht. Vater Witalij f?hrt durch die Region, um die Gemeindemitglieder bei ihnen zu Hause zu taufen und das Abendmahl zu geben. Oft kann er die ihm gestellte Frage: „Wo k?nnen wir Sie besuchen?“ nicht beantworten. Mit dieser Frage kommen n?mlich nicht nur die Kaliningrader an, sondern auch Interessenten aus Deutschland und Litauen. Und die B?rger Hannovers kommen j?hrlich nach Kaliningrad, um ihr Abendmahl zu empfangen.
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„Einen Tempel brauchen wir, wie die Atemluft!“ – sagt Vater Witalij. „Heute versammeln wir uns in einer mittelgro?en Stadtwohnung, um unsem Gottesdienst zu dienen und Riten auszuf?hren. Diese Wohnung kann gleichzeitig lediglich zehn Gl?ubige empfangen. Wir sollten zumindest mit dem Bau einer Kapelle anfangen, in der sich die Gemeindemitglieder versammeln k?nnten.“ Mit dem Bau wurde schon begonnen. Das Bauland f?r die Kapelle wurde im Jahre 2009 von der st?dtischen Verwaltung in einem Vorort von Kaliningrad, in der Birjukowo-Siedlung, zur Verf?gung gestellt. Sehr behilflich dabei waren das Stadt- oberhaupt Alexander Jaroschuk sowie der stellvertretende Vorsitzender vom Abgeordneten-Rat, Alexander Pjatikop. Au?erdem wurde die Altgl?ubigen-Gemeinde Kaliningrads von der Grundsteuer-Entrichtung freigestellt. Es gibt schon ein Projekt vom Tempel-Komplex. Dieses Projekt soll aus dem Tempel der Heiligen Gottesmutter-Verk?ndung sowie einer Kapelle vom gleichen apostolischen Heiligen Wladimir und einem Dienstgeb?ude mit kleinem Gasthaus bestehen. Die Arbeiter sind bereit, zun?chst unter Sonderbedingungen zu arbeiten, bis die Mittel da sind. Sie versprechen zum Beispiel, die Kapelle in nur zwei Monaten zu errichten. „Eigene Kr?fte und Mittel reichen uns leider nicht,“ setzt Vater Witalij seine Erz?hlung fort. „Wir k?nnen mit keiner staatlichen Unterst?tzung rechnen. Es gibt nur Hilfe aus Moskau, vom Oberhaupt unserer Kirche, dem Metropoliten Kornilij. Doch diese hat einen sehr begrenzten Umfang. Die Hilfe von anderen russischen Spendern ist durch die Abgrenzung des Kaliningrader Gebietes vom restlichen Russland sehr erschwert.“ Der Leiter der Gemeinde hegt keinen Zweifel daran, dass der Tempel sich mit Gl?ubigen f?llen wird. Die russischen Altgl?ubigen gibt es sowohl in der Region als auch im Ausland. Es sind sehr viele. Und Vater Witalij hofft mit ihnen zusammen, dass sich in Russland und in Europa gute Menschen finden werden, die dabei helfen, den Tempel-Komplex zu erbauen.
Igor Kowaljow
Juristische Adresse der Gemeinde: Kaliningrad, Ulitsa Tschekistow, Haus Nr. 40, Wohnung Nr.14 Postadresse: 236004, Russland, Kaliningrad, Pereulok Parkowyj, Dom Nr.6, Wohnung Nr.5 Tel.: +7 906 215 6284
Bankverbindung der Altgl?ubigen-Gemeinde: Steuer-Identifikationsnummer: 3904061595 Konto: 40703810820230100975 Kaliningrader Abteilung von Sberbank RF Nr. 8626 SWIFT 042748634 Kor. Konto 30101810100000000834
Befl?gelte Musen ?berfliegen die Welten, In st?ndiger Suche nach m?glicher Bleibe, Schlagen mit Fl?geln die Luft unerm?dlich Tr?umend davon, dass Museen entstehen.
Und diese Tr?ume werden wahr, denn von solchen Museen gibt es inzwischen sehr viele. Darunter auch zahlreiche, die in unserem Gebiet ans?ssig sind. Jeder kennt das Weltozean-Museum, das Bernstein-Museum, das Kulturgeschichtliche Kreismuseum, die Kunstgalerie.
Doch das sind nur die Gipfel in der ?rtlichen Museen-Landschaft, denn daneben gibt es auch noch etwa Hundert Schul-Museen, obwohl sie eigentlich nicht immer voll und ganz den strengen Museumsanforderungen entsprechen. Und dann sind ungef?hr auch noch 20 Beh?rden-Museen da. Zwei davon, das Museum der Baltischen Flotte und das der Kaliningrader Eisenbahn, bereiten durch ihre Vielzahl an naturwissenschaftlichen Exponaten nicht nur jedem Besucher viel Spa? und Freude, sondern haben auch einen ganz bestimmten Nutzen, denn hier kommen die Wissbegierigsten auf ihre Kosten. Es gibt auch noch Bezirks- und Stadt-Museen. Das ?lteste davon wurde im Jahr 1985 in Prawdinsk (ehem. Friedland) gegr?ndet. Gegenw?rtig existieren im Kaliningrader Gebiet schon mehr als zehn solcher Museen. Das dynamischste und konsequenteste von allen ist das kreisgeschichtliche Bagrationowsker Museum (ehem. Preu?isch Eylau). Offiziell wurde es im September 1993 nur mit einem einzigen Ausstellungs-Raum er?ffnet. Seitdem ging es in in diesem Museum in jedem Jahr einen Schritt nach vorn. So kam schon im n?chsten Jahr nach der Gr?ndung ein zweiter Raum dazu, dann folgte bald darauf der dritte Raum. Und pl?tzlich ging es Schlag auf Schlag. Es kamen noch zwei R?ume f?r zeitgem??e Ausstellungen und ein Konferenz-Raum hinzu. Im vorigen Jahr folgte ein zus?tzlicher Raum f?r Grundausstellungen. Jetzt geh?rt dem Museum eine ganze Etage des Kultur- und Freizeit-Zentrums. Die Museums-Gr?nder, das Ehepaar Pantschenko, h?lt das Steuer der Museumsverwaltung sehr fest und sicher in ihrer Hand, was das Museum in allen Situationen am Leben h?lt. Seit 1999 veranstaltet das Bagrationowsker Kreisgeschichtliche Museum auch historische Konferenzen zum Thema der Napoleonischen Kriege unter der Gesamtbezeichnung „Eylau 1807“. Und seit 2002 organisiert das Museum historische Rekonstruktionen der ber?hmten Schlacht bei Preu?isch Eylau im Jahre 1807. Einer Schlacht, bei der die russischen Soldaten den schwersten Sto? der franz?sischen Armee erlitten und mit den preu?ischen Verb?ndeten den harten Angriff des Imperators und Feldherrn Napoleon gemeinsam abgewehrt hatten. Auch die Gr?ndung des milit?r- historischen Klubs und Veranstaltungen von historischen B?llen unter dem Motto „Wie vor 200 Jahren“ sind dem Bagrationowsker Kreisgeschichtlichem Museum zu verdanken. Ein tiefes Verst?ndnis der Bedeutung von Museen zeigt die Verwaltung des Gurjewsker Bezirkes (ehem. Neuhausen). Da wurde nicht nur ein kulturgeschichtliches Bezirks-Museum er?ffnet, sondern es wurden auch Mittel zur Verf?gung gestellt, um eine offizielle Er?ffnung des „Waldauer Schloss-Museums“ in der Kleinsiedlung Nisowje (ehem. Waldau) im Herbst 2007 zu erm?glichen. Und noch mehr vom Guten: im krisenbelasteten Jahr 2009 kamen zum ersten Ausstellungs-Raum dieses Museums noch zwei S?le hinzu. Die n?chste gro?e Aufgabe ist der Umzug des Museums in das Waldauer Schloss. Dessen W?nde an sich sind schon Ausstellungsst?cke, geschweige denn die wertvollen Exponate, die sie schon bald beherbergen werden. Dabei darf der Inspirator des neuen Museums und Beh?ter seiner Sch?tze, der ?rtliche Heimatkundler Andrej Barinow, nat?rlich nicht vergessen werden. Sein Beispiel beweist noch einmal die volle Berechtigung des Sprichwortes „ Auch alleine ist man ein K?mpfer auf dem Schlachtfeld“. Ein anderes Beispiel f?r solchen Alleinkampf war A. I. Schischatschenko, ein sehr bescheidener Schullehrer aus der Nemanskij Siedlung im Krasnosnamjonnyj Bezirk (ehem. Trapp?nen). Trotz seiner vollst?ndigen Blindheit hat er es geschafft, mit seinem Enthusias- mus Sch?ler und Siedlungsbewohner zu begeistern und ihren Tatendrang so zu entfachen, dass letztlich in der Siedlung das eigene Schul-Museum entstand. Leider sind nicht alle solche Vork?mpfer gleich ersetzbar, wenn sie aus Altersgr?nden die H?nde in den Scho? legen m?ssen. So blieb auch das Museum von Herrn Schischatschenko nach seinem Tod einige Jahre aufsichtslos und vernachl?ssigt. Das empfand Frau G. W. Schawkunowa, eine Lehrerin aus der gleichen Schule, wie ein Stich ins eigene Herz und hat das Werk ihres verstorbenen Kollegen unter ihre Obhut genommen. Mit gro?em Ehrgeiz und beispielhaftem Tatendrang verstand sie es, auf die Erfolge ihres Kollegen neue Akzente zu setzen und sein Werk weiter auszubauen, so da? dieses Museum nun ein ganzes Geb?ude f?r sich beansprucht und damit das gr??te unter allen l?ndlichen Schul-Museen ist. Acht Ausstellungsr?ume zeigen die ganze Vielfalt des Lebens der Nemanskij Kleinsiedlung in ihrer Vergangenheit und Gegenwart. Nachdem Galina Wasiljewna Schawkunowa ebenfalls verstorben ist, hat ihre Tochter das Erbe und die Museumsleitung ?bernommen. „In unserer Siedlung gibt es keine Gro?betriebe und Fabriken, keine breiten Stra?en und Parkpl?tze. Unsere Siedlung ist in jeder Jahreszeit sch?n. Im Fr?hling und Sommer versinkt sie im Gr?n. Die Hecken bestehen aus Flieder, Jasmin, Wei?dorn und Lebensb?umen. Von drei Seiten umgibt die Siedlung ein Wald, ein besonderer Wald, weil die B?ume nicht mit Maschinen, sondern von Menschenhand gepflanzt wurden“. Diese Worte sind der Aufsatzarbeit eines Sch?lers entnommen worden, der sehr viel Liebe f?r seine heimatliche Siedlung empfindet. Die Bedeutung der Museen f?r die Entwicklung einer solchen Heimatliebe ist nicht zu untersch?tzen, wie auch die Leidenschaft und Hingabe jener Menschen, die solche Museen gr?nden und erhalten.
Boris ADAMOW
Foto: Kreiskunde-Museum in Bagrationowsk: ein Museum mit dynamischer Entwicklung, das sich auf dem Thema der Napoleon-Kriege akzentiert (Preu?isch-Eylauer Schlacht 1807)
Seit fast 10 Jahren gibt es in Polessk das „INS-Theater Labiau“, welches unter der k?nstlerischen Leitung von Natalija Schewtschenko ein vielseitiges sch?pferisches Leben f?hrt. Im vorigen Jahr wurde diese einzigartige Theatertruppe unter das Dach der st?dtischen Einrichtung namens Polessker Kultur- und Freizeitzentrum „Snamja“ (dt. Fahne) aufgenommen. Die positive Bilanz des vorigen Jahres l?sst die Polessker Schauspieler, Regisseure und Heimatkundler, die nun alle im KFZ „Snamja“ vereint sind, auch das angefangene Jahr optimistisch betrachten.
Geboren wurde das „INS-Theater Labiau“ in Kaliningrad, wie auch die k?nstlerische Direktorin vom KFZ „Snamja“, Natalja Schewtschenko. Das mag vielleicht etwas merkw?rdig klingen, aber hier haben wir es wohl mit einem der seltenen F?lle zu tun, dass sch?pferische Pers?nlichkeiten und K?nstlergruppen in die Provinz zur?ckkehren und nicht in den Metropolen Wurzeln schlagen. Noch in den 90er Jahren wurde Natalja Schewtschenko nach ihrem Abschluss beim Rachmaninow-Kolleg zun?chst Mitglied und sp?ter Leiterin des Schauspielstudios beim Deutschen Drama-Theater. Noch etwas sp?ter, das war im Jahre 2002, kam sie w?hrend einer Tournee in Polessk auf die Idee, dort ein Theater im Polessker Schloss „Labiau“ zu gr?nden. Aller Anfang ist schwer, prophezeit ein Sprichwort. Das hat Natalja Schewtschenko oft zu sp?ren bekommen. Doch sie lie? sich nicht entmutigen. Sie ist eine Frau, die k?mpfen kann. Heute, nach einem dornigen sch?pferischen Weg, hat das Theater mehrere Preise und Auszeichnungen vorzuweisen, die es bei lokalen und internationalen Wettbewerben erzielte. Die Leitidee vom internationalen musikalisch-dramatischen Theaterstudio „Labiau“ ist eine Synthese aus Musik, B?hnenhandlung und international verst?ndlichen Worten. „Wir suchen nach einem menschen- und v?lkervereinenden kreativen Ursprung. Wir forschen danach, was uns geistig erhebt und versuchen, in mehreren Sprachen ?ber das Haupts?chliche zu sprechen“, erkl?ren die Schauspieler vom „Labiau“-Theater. Inzwischen geh?ren der Theatertruppe etwa 20 Mitglieder an, wobei das Durchschnittsalter aller Beteiligten bei 25 Jahren liegt. Die Regie bei den meisten Auff?hrungen f?hrt ebenfalls die k?nstlerischen Direktorin, Natalja Schewtschenko. Die Besonderheit dieses Theaters ist seine au?ergew?hnliche Darbietung dramatischer Inhalte in unterschiedlichen Sprachen - zur Zeit in Russisch, Deutsch und Polnisch. In diesem Zusammenhang arbeitet das „INS-Theater Labiau“ eng mit europ?ischen Kollegen zusammen und macht des ?fteren auch Auslandstourneen. Im Jahre 2009 hat das Theater traditionsgem?? an unterschiedlichen internationalen Projekten teilgenommen. In Polen am Festival „Roma Lieder“, in Wei?russland am Volkskunst-Festival „Wir sind die Sjabry“ (altrussischer Begriff f?r Landsherren) und in Deutschland am internationalen Heppenheimer Theaterforum. F?r das Jahr 2010 ist eine gemeinsame Auff?hrung mit der Jugendtheatertruppe dieser deutschen Stadt geplant. Au?erdem wird im August dieses Jahres das „INS-Theaters Labiau“ am Festival „Danziger Jahrmarkt“ in Polen und in Wei?russland am Festival „Beresinskij Jahrmarkt“ teilnehmen. Und schon sehr bald, n?mlich im Mai und im Juni l?dt das Polessker Theater alle seine Freunde aus dem Kaliningrader Gebiet, aus Litauen, Polen, Wei?russland und Deutschland zum Festival der K?nste „Labiau-2010“ ein. Im Kultur- und Freizeitzentrums „Snamja“ ist nicht nur das „INS-Theaters Labiau“ beheimatet, sondern es vereint in seinen Strukturen auch noch das St?dtische Geschichtsmuseum, ein Volksinstrumenten-Orchester sowie B?chereien f?r Kinder und Erwachsene. Dar?ber hinaus werden Dutzende von Interessenklubs, Workshops und kreativen Vereinen betreut, in denen fast 300 Personen und Kunstfreunde aus Polessk und Umgebung sch?pferisch t?tig sind. Eine besondere Beachtung soll demn?chst den Freizeit- und Kulturorganisationen in Siedlungen rund um Polessk geschenkt werden. Das KFZ „Snamja“ hat sich im Jahre 2010 vorgenommen, neue interessante Kunstrichtungen speziell f?r Jugendliche zu erschlie?en. Vielseitig ist dabei die Palette. Man denkt an ein Feuershow-Theater, Gitarren- und Akkordeonunterricht, an die Bildung von Gesangsgruppen und sogar auch an die Gr?ndung eines Rock-Klubs. Aber auch ein K?rperkunst-Studio ist vielversprechend und f?r die Freunde mit kreativen Ideen soll ein Klub f?r k?nstlerische Gestaltung sowie auch eine Kunst- und Gewerbewerkstatt er?ffnet werden. F?r Volkstanz und historische T?nze erhofft sich das KFZ „Snamja“ ebenfalls Interessenten zu finden. Eines der wichtigsten Bet?tigungs-felder im KFZ „Snamja“ und im Jugendzentrum „Labiau“ ist f?r Natalja Schewtschenko die Entwicklung des kultur-geschichtlichen Tourismus sowie eine weitere Festigung von internationalen und interregionalen kulturellen Bindungen. Man muss die unglaubliche Zielstrebigkeit und Energie der hier t?tigen Menschen einmal kennengelernt haben, muss ihnen ?ber die Schulter zugeschaut haben, um sich ein umfassendes Bild machen zu k?nnen. Mit diesen Eindr?cken verabschieden wir uns von diesen besonderen Menschen in der Gewi?heit, dass all ihr Streben und alle ihre M?hen einmal Erfolg haben werden.
Tschernjachowsk (ehem. Insterburg) liegt unmittelbar im Zentrum des Kaliningrader Gebietes. Solche St?dte sorgen schon deshalb а?r so manche Schlagzeile. Aber diese Stadt dr?ngt sich nun ganz nach vorn ins Rampenlicht, indem sie ein au?ergew?hnliches Ferienobjekt pr?sentiert. Es ist ein Kulturdenkmal aus dem XIV. Jahrhundert, es ist das Schloss Insterburg
Wie so viele andere Ruinen mit geheimnisvoller Vergangenheit, zieht auch dieses Schloss viele Passanten und nun auch immer mehr Touristen an, die ganz gezielt hierher kommen. Hier wird man nicht nur vom Geist vergangener Epochen und dem S?useln des Windes in den Wipfeln der alten B?ume begr??t, sondern von den gastfreundlichen Besitzern des Schlosses Insterburg, den „B?rgern der Gegenwart“, ganz herzlich empfangen. Sie haben sich zusammen getan und den gemeinn?tzigen Verein „Haus-Schloss“ gegr?ndet. Das Gedeihen dieses Objektes ist stark abh?ngig von der Zahl seiner Besucher. Viele von ihnen kommen schon seit 13 Jahren hierher und sind so verliebt in diesen Ort, dass sie freiwillig und unentgeltlich ihn zu einem Schmuckst?ck machen wollen. Ihre Initiative soll neue Besucher mitrei?en, soll ihre Herzen entz?nden und zum Entschlu? f?hren, sich an der Wiederbelebung dieses Erbst?ckes der Geschichte in ganz individueller Weise zu beteiligen. Keiner muss Berge versetzen. Hier und dort mal etwas ausbessern oder einfach nur aufr?umen, wenn Handwerker t?tig waren, das alles hilft schon weiter. Bekanntlich machen viele H?nde der Arbeit schnell ein Ende. Darauf hoffen die „Schlossherren“. Aber es gibt auch Touristen, die eigentlich nur mal schnell vorbeischauen wollen, aber beim Abschied dann zum M?zen werden. Selbst die kleinste Geldspende ist eine dankbare Hilfe.
Der phantasievolle Mai Die „Bewohner“ des Schlosses Insterburg bereiten zur Sommersaison 2010 viel Spannendes f?r ihre G?ste vor. Wie ?blich, findet am 1. Mai eine feierliche Er?ffnung mit Projektvorstellung statt. Als Besonderheit in diesem Jahr gilt die Er?ffnung eines Informationsb?ros. Ab jetzt wird es m?glich sein, sich ?ber die Freizeitm?glichkeiten in Insterburg unmittelbar von der Schloss-Fee beraten zu lassen. Mit ihrer Unterst?tzung kann jeder Tourist seine eigene pers?nliche Reise in die Bernsteinregion planen, ganz nach seinen speziellen Vorstellungen. Der Mai beschenkt alle Adrenalins?chtigen mit einer Museumsnacht. Die Chance, Wiegenlieder der Welt am Lagerfeuer zu singen und unter dem Sternenhimmel zu tanzen, gibt es nur einmal – das ist das Thema der Nacht im Jahre 2010. Dann gibt es noch das Festival „Epoche – Musik – Bekleidung“, das am 22. Mai stattfindet. Es l?uft dieses Jahr unter dem Motto: „Studentenschaft als Lebensstil“. Jeder kann dabei auch aktiv mitwirken und au?erdem mit all denen in Kontakt treten, die vom Philosophieren noch nicht m?de sind.
Der m?rchenhafte Juni Der Juni geh?rt den j?ngsten G?sten im Schloss Insterburg. Gleich am 1. Juni, dem Weltkindertag, wird der Kinderspielplatz „Historischer Kindergarten“ er?ffnet. Am 26. Juni findet das Festival „Das Kinderschloss“ statt. Das ist ein abenteuerliches Erlebnis, welches ?ber einige Tage geht und an dem jeder als Mitspieler teilnehmen kann. Dazu wird empfohlen, die passende Garderobe zu jeder Veranstaltung bereit zu legen: am Morgen gibt es einen „Karamell-Ball“ und am Abend einen „Kaffee-Ball“. W?hrend dieses l?ngeren Schlossaufenthaltes ?ber mehrere Tage wird jedem die M?glichkeit gegeben, eine interessante Bet?tigung zu finden: eine Sandburg zu bauen, einer M?rchenverfilmung zuzuschauen, selbst zu einem M?rchenheld zu werden oder sich ein Konzert mit Zaubermusik anzuh?ren. Ende Juni bis Anfang Juli ist dann die Zeit f?r touristische Wanderausfl?ge. Es beginnt eine heimatkundliche Wanderung f?r Jugendliche unter dem Motto „Menschenschicksal – Erdenschicksal“. Ausger?stet mit Rucksack und einem Zelt geht es zusammen mit den Schlossbewohnern auf die Suche nach interessanten Fundsachen f?r eine Ausstellung. Das k?nnen unter anderem besondere Steine sein oder auch seltene Pflanzen. Ganz sicher entstehen dabei auch interessante Geschichten, die w?hrend einer feierlichen Abschlussveranstaltung vortragen werden k?nnen.
Der Juli und die Kunst Die Juliwoche in der Monatsmitte geh?rt seit 2007 den Anh?ngern der modernen Kunst. Wer zusehen m?chte, wie K?nstler aus verschiedenen L?ndern den Raum eines mittelalterlichen Schlosses umwandeln, ist herzlich willkommen beim „Insterfest“, dem Festival moderner Kunst. Das Thema dieses Jahres ist die Atmosph?re. Es wartet auf den Besucher im Schloss Insterburg auch eine Schule, eine richtige Sommerschule! Wer einen Bedarf an hoch interessanten Gespr?chen hat, dem erf?llt der Professor der Kunstwissenschaften aus Sankt-Peterburg, I.D. Tschetschot, seinen Wunsch. Erg?nzend zu manchen Vorlesungen im H?rsaal gehen die Teilnehmer hier auf Erkundungsreisen und lernen die verschwundene Kultur Ostpreu?ens kennen. Die Tage vom Ende Juli bis Anfang August geh?ren traditionsgem?? den Teilnehmern und Zuschauern vom Festival „Grani Tysjatscheletij“ (dt. „Faceten der Jahrtausende“). In erster Linie geh?ren dazu ganz bestimmte Meisterklassen, aber auch ein Erfahrungsaustausch unter Kunstgruppen und freundschaftliche Unterhaltungen am Lagerfeuer. Weiterhin gibt es eine Theater-, Tanz-, und Musikshow, die durch gemeinsame Anstrengungen entstanden ist: drei zauberhafte Konzertabende mit einem nat?rlichen Hintergrund aus altert?mlichen W?nden, gr?nen B?umen und einem Sternenhimmel. Dazu als Ger?uschkulisse Grillenzirpen und das alles in einer Atmosph?re, die mit dem Duft von vielen Sommerblumen erf?llt ist.
Ende des Sommers: Erhabenheit und Gastfreundschaft Der August ist der Monat von Mut und Erhabenheit. Schon seit 2002 wird Ende August zum Sommerausklang das Festival der mittelalterlichen Kultur unter dem Namen „Das Ritterturnier“ veranstaltet. Dieses Jahr wird das Ritterlager ?ber den ganzen Monat hinweg ge?ffnet bleiben. Hier bekommt der Besucher die M?glichkeit, das N?hen eines Panzerhemdes, das Bogenschie?en, den Schwertkampf, sowie T?nze und Bekleidungsherstellung der damaligen Schlossbewohner zu erlernen. Der September ist der Monat des Stadtfestes. An diesen Tagen herrscht im Schloss Insterburg eine ganz besondere Gastfreundschaft, die von besten Empfangstraditionen gepr?gt ist. Hier warten auf den Besucher noch ungesehene K?stlichkeiten und unbekannte Lieder.
Der Architektur-Herbst Am 10. Oktober, dem Tag, an dem Insterburg im Jahre 1583 Stadtrechte bekam, findet eine wissenschaftlich-praktische Konferenz „Menschenschicksal – Erdenschicksal“ statt, welche seit 1997 veranstaltet wird. In diesem Jahr sollen Ergebnisse des neuen gemeinsamen Projektes vom Verein „Schloss-Haus“ und der Verwaltung der Stadt Tschernjachowsk ausgewertet werden. Nach der Initiative des Architekten und Enthusiasten Dmitrij Suchin, beginnt im Fr?hjahr 2010 das k?hne Projekt „Instergod“, dessen Aufgabe darin besteht, einen neuen Baustil f?r das Kaliningrader Gebiet zu finden. Zum ersten Mal setzen sich europ?ische und russische Architekten an einem Tisch im kleinen Tschernjachowsk zusammen, um komplizierte und nicht weniger interessante Fragen zu beantworten. Tschernjachowsk ist die Nachfolgestadt von Insterburg, einer Stadt mit 26 funktionierenden Bauwerkst?tten und sogar einer Architekturgesellschaft (FFAA). Heute, im Jahre 2010 des XXI. Jahrhunderts, sind wir bereit, uns zu erinnern und den Gemeinschaftsgeist sowie die Meisterwerke der Baukunst aus dem Beginn des XX. Jahrhunderts ins Leben zur?ckzurufen. Am Projekt nehmen Studenten aus den Universit?ten und Fachschulen Sankt-Peterburgs, Kasans, Kaliningrads und Tschernjachowsks teil.
T?gliches Leben im Schloss: Nicht uninteressant f?r unsere G?ste ist die Tatsache, dass Schloss Insterburg jeden Tag von morgens bis abends ge?ffnet ist. Und es gibt jeden Tag bemerkenswerte F?hrungen. Sonntags um 12 Uhr beginnt eine historische Auff?hrung unter dem Motto „Ein Schlosstag im Mittelalter“ unter der Mitwirkung des Ritterklubs und des Legenden-Theaters. Hier freuen sich die Werkst?tten auf alle, die T?pferei, Holzschnitzerei und Metallpr?gung erlernen und beherrschen wollen, um im Endeffekt eigenh?ndig eine volkst?mliche Puppe zu schaffen. Im Schloss gibt es eine Kunstgalerie, welche gleichzeitig eine Malwerkstatt und ein Klub f?r Geschichte und Kunst ist. Zu jeder Zeit k?nnen die Besucher Ausstellungen des Altstadt-Museums besuchen. W?hrend der Konferenz am 2. Mai 2010 soll eine neue, dem Teutonenorden gewidmete Langzeitausstellung er?ffnet werden. Es ist immer noch m?glich, ein dreidimensionales Panorama der Gro?-J?gerd?rfer Schlacht mit 2500 Zinnfiguren zu sehen, die von deutschen und russischen Meistern hergestellt wurden. Der zerst?rte Peinturm, die Gem?cher und G?nge im Schlossuntergrund, mit Namen benannte B?ume, die Steinschalen der Gastfreundschaft, der „Weg der W?nsche“, ein Lagerfeuer inmitten des Hofes, ein alter Pferdestall, das Vorburggeb?ude und behagliche Kamins?le – alles hier ist erf?llt mit Leben und Gastfreundschaft. * * * „Was gibt es hier Interessantes?“ Diese Frage stellt fast jeder Besucher und Vlada Smirnowa, die Fee vom Schloss Insterburg, st??t einen Seufzer aus und meint: „Wenn es nur m?glich w?re, diese Frage mit ein paar Worten zu beantworten!“ Sie m?chte jedem den Rat geben, Herz und Seele auf einen besonderen Ton einzustimmen, um die Atmosph?re in den alten Gem?uern zu sp?ren. Sie wird von den neuen Schlossherren, den B?rgern vom Schloss Insterburg des XXI. Jahrhunderts, behutsam und liebevoll erhalten und erg?nzt durch neue m?rchenhafte Impulse.
Der Name vom Regisseur Evgenij Marcelli gilt in der Theaterwelt als eine erfolgreiche Koryph?e. Vielen B?rgern Kaliningrads imponiert es sehr, dass diese Koryph?e ausgerechnet auf dem hiesigen Boden „gewachsen“ ist, n?mlich im Tilsit-Theater. Im Laufe der Zeit gab es renommierte Theater-Auszeichnungen in Russland und Preise auf internationalen Festivals sowie Auff?hrungen in f?hrenden Moskauer und europ?ischen Theatern. Er bekleidete die Stelle des Chefregisseurs im Kaliningrader Dramatheater und arbeitete im Omsker Akademischen Theater. Einladungen zur Arbeit in gleicher Position nahm er in ber?hmten Theatern Moskaus und Sankt Petersburg an. Doch heute ist Evgenij Marcelli wieder in Kaliningrad. Nicht nur als Regisseur, sondern auch als k?nstlerischer Leiter des Kaliningrader Dramatheaters, eines Theaters in einer Provinzstadt. Marcelli selbst f?hlt sich dadurch nicht gest?rt. Eher umgekehrt: seine ?ffentlichen Auftritte sind ein Loblied auf die Provinz, getragen von der Harmonie der Lebenstraditionen und der Freiheit des kreativen k?nstlerischen Ausdrucks. Von dieser Freiheit braucht Marcelli unendlich viel. Nicht umsonst nennen ihn einige Theaterkritiker den „K?nig der russischen Avantgarde“. Und in dieser Freiheit hebt er auch die Stimmung im Saal. Wie er selbst sagte, erh?lt man das Vergn?gen, eine emotionale Aufregung zu empfinden. Ist da etwa Provokation oder Emp?rung im Spiel? Zweifellos. „Das Theater soll emp?ren, die ?ffentliche Meinung, den Geschmack – so ist das Kredo des Regisseurs. Und das bei der st?ndigen Auswahl von Klassik-Werken f?r die Auff?hrungen; von Shakespeare und Ostrowski bis Tschechow und Sudermann! Wir sitzen im gro?en und deshalb etwas leer wirkenden B?ro des k?nstlerischen Leiters und reden ?ber Theater als Kunst: – Evgenij, Sie heben den theatralischen Provinzialismus hervor. Wie kann denn ein provinziales Theater die Aufmerksamkeit eines unprovinzialen Publikums wecken? – Daf?r gibt es nur ein Mittel: hochqualitative Auff?hrungen. Wenn diese dem Zeitgeist entsprechen, ?sthetisch, sowie formal und inhaltlich interessant sind – dann wird es immer und f?r alle Zuschauer interessant sein. – Immer lassen sich Kenner der Theater-?sthetik finden, doch es gibt nicht viele davon. F?hrt Ihrer Meinung nach das Streben zur Popularit?t zur Wertminderung von Theaterauff?hrungen als Kunstakt? – Bedauerlicherweise ja. Und darin besteht auch die gr??te Schwierigkeit. Die Wirtschaftlichkeit eines Theaters als ?konomische Notwendigkeit muss beibehalten bleiben, aber dabei darf einerseits nicht das Gef?hl f?r Kunst verloren gehen und andererseits darf die Kunst nicht bis zum Niveau eines anspruchlosen Publikums hinabrutschen. Wir suchen st?ndig nach dieser „goldenen Mitte“. Ab und zu passiert das. – Gibt es heutzutage das russische Theater als Kulturerscheinung? – Noch gibt es das. Ich denke mal, als eine Resterscheinung... Der Pragmatismus des westlichen Theaters zeigt seine Wirkung. In Russland arbeiten seit sowjetischen Zeiten Hunderte von Repertoire-Theatern mit festen Besetzungen, die t?glich verschiedenste Auff?hrungen w?hrend der ganzen Saison geben und dabei vom Staat unterst?tzt werden. Von solchen Theatern gibt es in Europa oder in den USA nicht viele. In Deutschland zum Beispiel lediglich 5 oder 6. Das l?uft eher nach der Tradition und nach dem Tr?gheitsgesetz. Und die Tr?gheit hat eine Eigenschaft, zunichte zu werden... – Wie schwierig ist es, eine wohlwollende Aufmerksamkeit von einem fremdsprachigen Publikum zu gewinnen? – Technisch gesehen ist eine Text?bersetzung kein Problem: Kopfh?rer, Laufzeile... Die Schwierigkeit ist nicht eine andere Sprache, sondern eine andere Mentalit?t und das Wertsystem. Ein klassisches Beispiel daf?r ist „Aschenputtel“, das von Amerikanern nicht richtig wahrgenommen wurde. Sie empfanden die Ideale der negativen Heldin dieses M?rchens, der Stiefmutter, als ganz normal, obwohl sie ihre T?chter zum Streben nach Reichtum und Erfolg um jeden Preis erzog. Andererseits waren wir mit dem Tilsiter und Omsker Theater viel unterwegs zu verschiedenen russischen und europ?ischen Festivals und hatten keine nennenswerte Wahrnehmungsprobleme im Publikum feststellen k?nnen. Hauptsache ist, dass das Schauspiel ein hohes k?nstlerisches Niveau hat. Und hier ist schon alles sehr irrational. Ein ber?hmter Regisseur mit all seinen finanziellen Ressourcen erleidet ein Fiasko und eine niedrig budgetierte Arbeit eines Anf?ngers wird pl?tzlich zum theatralischen Ereignis. Das ist die Unvorhersagbarkeit in der Kunst! – Beim Reden ?ber junge Regisseure darf man keinesfalls die neue Arbeitsform vergessen zu erw?hnen, welche Sie mit ihnen und um sie herum im Kaliningrader Theater organisieren... – Ja, das war meine Idee. Im vorigen Jahr begann sie sich als Projekt „Labor der modernen Regie“ zu realisieren, worauf ich richtig stolz bin. Unser Theater l?dt Absolventen von theatralischen Regief?chern der russischen Fachschulen ein. Im vergangenen Jahr kamen 8 Personen. Sie f?hren sogenannte Anmeldungen auf – etwa im Sinne eines Filmtrailers. Ich muss sagen, das wir drei von diesen acht Anmeldungen in unser Repertoire aufnehmen werden. F?r einen jungen Regisseur ist das eine au?erordentlich wichtige Gelegenheit, sich selbst zu zeigen und eigene M?glichkeiten richtig einzusch?tzen. Wenn mir jemand zu meiner Zeit eine solche Gelegenheit angeboten h?tte, w?re ich dar?ber unsagbar gl?cklich gewesen. Und f?r das Theater ist es eine wunderbare Methode, um neue, interessante Regisseure f?r eine sp?tere Zusammenarbeit zu finden. Au?erdem hat unser Projekt gro?e Aufmerksamkeit beim theaternahen Publikum in Kaliningrad geweckt wie beispielsweise bei Studenten, Universit?ts-Professoren und bei Schauspielern und Regisseuren aus dem Amateur-Theater. Aus meiner Sicht, k?nnte sich um das Projekt ein guter Theater-Club bilden. – Ist dieses Projekt nur f?r russische junge Regisseure vorgesehen? – Im Idealfall m?chten wir es nat?rlich sehr, dass alle jungen Regisseure aus verschiedenen Schulen eingeladen werden. Leider scheiterten bis jetzt unsere gute W?nsche an der Finanzierung. Bei g?nstigen Bedin- gungen f?r die weitere Entwicklung sind wir sogar verpflichtet, auf das internationale Niveau zu steigen. Um so mehr deshalb, weil unsere Nachbarn wie Polen, Litauen, Deutschland und Schweden alles L?nder mit sehr interessanten Regietendenzen und Schulen sind. – Sie haben in Sowjetsk als auch in Kaliningrad in Geb?uden gearbeitet, welche in der Vergangenheit deutsche Theater waren. Hat diese Tatsache und das Denkmal des gro?en deutschen Dramatikers Friedrich Schiller, das gegen?ber dem Kaliningrader Dramatheater steht, Ihr Selbstgef?hl als Regisseur beeinflu?t und gesteuert? – Ja. Hier f?hle ich mich in einer ganz besonderen Situation: nicht wie auf dem Terrain eines anderen Staates, sondern in einer anderen Lebensweise und mit einer anderen Weltsicht. Das geschieht bewusst, wie auch unbewusst. In allem hier f?hlt man die grandiose und mehrdeutige europ?ische Geschichte dieses Landes. Wom?glich genau aus diesem Grund f?hle ich mich hier nicht wie sonst wo, sondern wie in Europa, also absolut nicht begrenzt durch einen nationalen Rahmen, sondern als Weltmensch. – Hat deutsches Publikum eine M?glichkeit, Auff?hrungen Ihres Theaters auch mal in Deutschland zu erleben? – Ich w?nsche mir sehr, dass es eine solche M?glichkeit g?be. Aber in der heutigen Krisenzeit haben wir keine finanzielle Basis f?r ausl?ndische Tourneen. Es gibt jedoch eine ganze Kette von Theaterfestivals. In Deutschland zum Beispiel l?uft eine riesige Anzahl solcher Veranstaltungen. Diese Festivals k?nnen wir nat?rlich besuchen. Darum werden wir uns bem?hen. Das braucht in erster Linie das Theater selbst, denn im geschlossenen Raum begreift man nicht mehr, was und wie etwas gemacht wird. Was die Zuschauer angeht, so ist es f?r sie unglaublich aufregend, verschiedene Theater zu sehen. Meine Erfahrung aus der Festivaltournee mit dem Tilsit-Theater sagt mir eindeutig: das russische Theater ist sehr interessant f?r deutsches Publikum, weil dieses nach meiner Meinung in seinen besten Erscheinungen nicht seinesgleichen hat. Ich denke, das Kaliningrader Theater wird das noch mehrmals best?tigen. Marina Belowa Foto: Gennady Filippovich
Zuletzt aktualisiert am Samstag, 06. März 2010 um 12:52 Uhr
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Kollage „HOFFMANNiA“, Agischewa W., Kasakowzewa Y., Maksimenko W., Tjurina A.
„Wenn ich ?ber eure Stadt schreiben w?rde, w?rde ich ?ber Hoffmann schreiben. Er ist ein echter Bewohner dieser Stadt“, dies sagte Peter Weil, der Autor des Buches „Das Genie des Platzes“ als er sich mit den Kaliningradern getroffen hat. „Es ist wirklich schade, dass sein Haus, welches sich am Ufer des Untersees befand, nicht erhalten blieb“, so Peter Weil.
Das Haus wurde l?ngst durch den Krieg dem Erdboden gleich gemacht. An der Stelle steht nun ein Granitstein. Einst lag der Stein im Zentrum Kaliningrads mit einem Schild, der lautete: „An dieser Stelle wird noch ein Lenin-Denkmal errichtet“. Der Stein wurde von den Anh?ngern Hoffmanns zu dem Grundst?ck, wo einst das Haus Hoffmanns stand, geschleppt. Au?erdem haben sie eine Platte aus Marmor mit einer gotischen Schrift an den Stein angebracht: „Hier war das Haus, in dem der deutsche Dichter und Komponist der Romantik-Epoche E.T.A Hoffmann 1776-1822 seine ersten Lebensjahre verbracht hatte“. Ist das nicht typisch Hoffmann?
„HOFFMANN IST NICHT TOT; ER IST NACH RUSSLAND AUSGEWANDERT“ Eigentlich „ist Hoffman gar nicht tot. Er ist nur nach Russland ausgewandert“, so schrieb 1836 der russische Literaturkritiker Wasilij Botkin. Am Ende des St?ckes „Klein Zaches, genannt Zinnober“ benutzte Hoffmann den lateinischen Aus- druck „Nil admirari“ („?ber nichts wundern“). Also darf man sich nicht dar?ber wundern, dass Hoffmann im Januar 2006 wieder in seine Geburtsstadt zur?ckgekehrt ist. Eine wundersch?ne Ausstellung des Hoffmann-Zentrums der Stadt Bamberg beinhaltete eine Reihe von authentischen Dokumenten und Unterlagen ?ber sein Leben und Schaffen. Ein Jahr sp?ter gab es ein weiteres Kulturereignis in der Region, – die Ausstellung „Hoffmanns magische Welt“. 60 K?nstlers haben mehr als 400 Arbeiten vorgestellt, darunter waren: Malereien, Grafiken, Installationen, Stickereien, Puppen, Batiken. Alle Arbeiten trugen die launische Natur von Fantasus, die Hauptfigur aller Hoffmanns Arbeiten. Mit dem Ehrenorden „Kater Murr“ wurden die ausgezeichnet, die mit Enthusiasmus auf die Fragen zu den Arbeiten Hoffmanns geantwortet haben, sowie auch die G?ste der Ausstellung. Es wurde auch der goldene Nuss Krakatuk verlost usw. Sogar die Speisen waren aus der Zeit Hoffmanns: Gl?hwein, N?sse, Pumpernickel sowie andere Sachen. Es schien, als ob alle Besucher der Ausstellung gl?cklich waren, in die wunderbare Welt von Hoffmann sowie in den Grund seiner Kunst einzutauchen. Hoffmann hat an diese Welt geglaubt. Er glaubte an Dschinistan, voller Wunder, sowie an die Welt, in der man all das verwirklichen kann, was man in Gedanken hat. Au?erdem hat man f?r die Besucher der Ausstellung eine weitere ?berraschung vorbereitet. Das Museum pr?sentierte den Film des ber?hmten Bildhauers Michail Sche- mjakin „Hoffmaniada“, den man nach langen Verhandlungen bekommen hat. Im Zentrum des Filmes ist Hoffmann selbst, der ein schweres inneres Drama im Zusammenhang mit seinem Schaffen durchmacht. Der Schrift- steller findet Rettung in einer ausgedachten Welt, in der er sich in die Helden seiner St?cke versetzt. Nur so hat er sich gl?cklich gef?hlt.
SEHEN, DASS DAS UNM?GLICHE M?GLICH IST Die Hoffmannmania ging 2008 mit der Ausstellung „Hoffmannskatze kommt unbemerkt herein“ weiter. Es wurde ein Wettbewerb durchgef?hrt, bei dem man sich damit besch?ftigt hat, die Nachkommen des „Katers Murr“ ausfindig zu machen. Es haben sich 40 Bewerber angemeldet, unter denen die strenge Jury den Kater Cesar ausgesucht hat, der seine Gegner mit seinen intellektuellen F?higkeiten weit hinter sich gelassen hat. 2008-2009: die Ausstellung „Arabesken“. An diesem Projekt beteiligen sich immer neue K?nstler, und die st?ndigen Teilnehmer der Ausstellung ?berraschen immer mit originellen eigenen Entdeckungen. Das ist es auch, was das Wort „Arabeske“ bedeutet: die Kunst des Ornaments, unter der man die Idee des Wiederholens versteht, die Wiederkehr zu sich selbst und das wichtigste, – zu der Idee. Die Ausstellung „Arabesken“ erm?glicht sowohl den K?nstlern, als auch den Besuchern, die Zeit und den Raum zu ?berwinden, um das unm?gliche zu sehen. Zum Beispiel, das virtuelle Treffen zwischen Gogol und Hoffmann in dem Hoffmans Geburtsland und in dem Jahr, in dem in Russland das Gogol-Jahr gefeiert wurde. Die gemeinsame Auff?hrung der St?cke der beiden Autoren gibt einen nie dagewesenen k?nstlerischen Genuss. Man versucht so, die Arbeiten zu analysieren und deren Zusammenhang zu Mystik und Realit?t klarzustellen. Dank den K?nstlern und den Theaterkollektiven ist eine Abenteuerromane „Die Wanderung der Seelen im Dasein“ entstanden, – eine Art literarisches Duell.
DIE GEISTER DES UNBEKANTEN Die Ausstellung „Die Alchimie Hoffmanns“ wurde im Januar 2010 wieder er?ffnet. Die K?nstler haben dabei ihre neuen Arbeiten vorgestellt. Nur aus Bamberg, wo sich das Hoffmann-Museum befindet, wurden 180 Arbeiten zugeschickt. Jeder neue Teilnehmer er?ffnet immer neue Welten und noch nie dagewesene Empfindungen und Ideen in den Arbeiten des Genies. Wieder tauchen in dem Museum Geiste auf, welche in den St?cken der K?nstler verborgen waren, die versuchten, die n?here Umgebung zu verstehen. Die Realit?t dieser Umgebung steckt sich auf der Stra?e, in den R?umen und in den Herzen. Sie versuchen, die menschlichen Taten zu verstehen, die manchmal nur sehr schwer zu verstehen sind, sowie all das Au?ergew?hnliche, Lustige, Finstere, die Magie, das H?here, das, was kichert, fl?stert und jault, in einem Wort all das, was man unter „geheimnisvoll“ versteht. Eventuell werden die Menschen in all diesem einen Teil der Realit?t feststellen.
Valentina Pokladowa, Leiterin der k?nstlerischen Ausstellungsabteilung des Kaliningrader Historisch-k?nstlerischen Museums
Das Mode- und Tanztheater wurde vor 10 Jahren im gastfreundlichen Kulturhaus der Seeleute (fr?her die K?nigsberger B?rse) gegr?ndet. Dank einer kreativen Zusammenarbeit des Choreographen Juri Malinowskij und der Kost?mgestalterin Swetlana Orlowa zeigt das Theater immer wieder gute Leistungen.
Der moderne Tanz, Jazzchoreographie und Defilee sind Tanzrichtungen, die die Theatergruppe vorstellt. Ihre Vorstellungen zeigen eindrucksvoll die Synthese der einzelnen Tanzstile. Sie stechen au?erdem durch ihren Mut und Experimentierfreudigkeit hervor. Schon l?ngst zeichnet sich Kaliningrad durch die choreographische Theaterauff?hrungen und Defilees des Mode- und Tanztheaters aus. die Show "Legenden des alten K?nigsbergs", die dem Jubil?um unserer Stadt gewidmet wurde, ist eine historische Visitenkarte der Bernsteinhauptstadt: Geschichte der Gr?ndung des K?nigsbergs, markante Ritterspiele, Architektur der Altstadt, die mit Hilfe der Kost?me und Dekorationen ausgedr?ckt werden, lassen keinen gleichg?ltig. "Feuershow" ist ein eindrucksvolles Spektakel, das bei Unterst?tzung des Extrim-Klubs "Der Baltische Rabe" vorbereitet war. die Show stellt ein Duell der T?nzerinnen und K?mpfer dar, wobei diese mit den Fackeln gleichlaufend tanzen. der Tanz "des brennenden Vogels" sowie das einzigartige Kunstst?ck "Atmen mit Feuer" sind einfach atemberaubend. Das Thema des Ostsees und des Bernsteins erschlie?t sich lyrisch und dramatisch in der musikalisch-poetischen Show "Legende des Bernsteins". die Vorstellungen "Planetenparade", "Die Sternzeichen", "12 Monate", "Die Trommel-Show" sind gut bekannt und waren von den Zuschauern positiv angenommen. Da das Theater in den europ?ischen K?nstlerkatalog eingeschlossen ist, erh?lt es oftmals Einladungen zum Gastspiel sowie in Kaliningrad als auch in die anderen St?dte Russlands, Litauens, Polens, Frankreichs, wo die Auff?hrungen des Theaters jedes Mal einen st?rmischen Beifall hervorrufen. Ein bedeutendes Ereignis f?r das Theater wurden die Tage der Kaliningrader Kultur in der franz?sischen Stadt Cannes. Jeden Abend, genau um 23:00, fand die Feuershow statt. Um diese anzuschauen, sammelten sich die Leute auf dem Platz vor dem Schloss. Sowas hat die Stadt Cannes noch nie erlebt! Wundersch?ne Musik, blitzschnelle Schwunge der brennenden Schwerte, schlanke T?nzerinnen, die grazi?s mit den flammenden Fackeln spielten, ersch?tterten die Zuschauer und zogen sie in ihren Bahn. Die Modenschau, bei der die Kleidung und Accessoires aus Bernstein pr?sentiert wurden, hat sogar bei dem kritischen Publikum von Cannes so ein gro?es Interesse hervorgerufen, dass nach dem Konzert diese auf Wunsch der Zuschauer wiederholt wurde. Sogar das unvorstellbare f?r solch eine Veranstaltung war geboten: man konnte die einzigartigen Modelle betrachten und auf Fragen Antworten bekommen. Am vorletzten Tag des Aufenthaltes in Cannes fand ein Galakonzert statt, wo die besten Auftritte den Bewohnern und G?sten von Cannes nochmal vorgef?hrt wurden. Die Ausstrahlung des Theaterkollektivs aus Kaliningrad ist nicht spurlos an den franz?sischen Produzenten vorbeigegangen. Es ist m?glich, dass sich im Jahr 2010 noch mehr St?dte Frankreichs diese m?rchenhafte Shows anschauen werden. Zurzeit wird ein gro?es Programm "Von den K?nigsberger bis zu Kaliningrader Fantasien" vorbereitet, das f?r den 24. Januar geplant ist. Fantasien der Regisseure und Modegestalter des Mode- und Tanztheaters werden bei den Zuschauern zweifellos wie immer Bewunderung einfl??en, obwohl man im Voraus etwas Eindrucksvolles erwartet.
Das Kaliningrader Bernsteinmuseum feiert in diesem Jahr das 30.Jubil?um. Es wurde am 29. Dezember 1979 gegr?ndet. Seine Er?ffnung war eine der bedeutendsten Ereignisse f?r die Stadt, da es das einzige Bernsteinmuseum in Russland war
Der Komplex wurde als ein Museum f?r nur ein Mineral (Bernstein) gedacht. Es wurde in dem Verteidigungsturm „Der Dohna“, welcher in der Mitte des 19.Jahrhunderts gebaut worden war, untergebracht. Die T?tigkeit des Museums ist auf die Systematisierung der naturwissenschaftlichen, historisch-kulturellen und historisch-k?nstlerischen Kenntnisse ?ber den Bernstein bezogen. Deshalb wird der Bernstein in der Schaustellung im Zusammenhang von verschiedenen Wissenschaften betrachtet, und zwar: Pal?ontologie, Mineralogie, Geologie; Geographie, Arch?ologie, Geschichte, Naturkunde und Kunstwissenschaft. Die Exponate sind in den 28 Hallen mit der Gesamtfl?che von 1000 qm. untergebracht. In den letzten Jahren entwickelte sich das Museum sehr schnell, wobei seine Sammlung von 6000 auf 11000 Exponate erg?nzt wurde. Da sich das Bernsteinvorkommen in der N?he des Museums befindet, erm?glicht es, vielf?ltige Sammlungen „des Sonnensteins“ zusammenzustellen; hier ist zum Beispiel, der einzigartige Bernsteinst?ck vorhanden, das 500 g. wiegt. Bemerkenswert sind auch nat?rliche Formen des Bernsteins (in Form von Tropfen, Eiszapfen u.a.) sowie die Farbenskale des Bernsteins. Der gr??te Stein der Sammlung wiegt 4280 kg. Es ist der zweitgr??te Stein in der Welt. Von Interesse ist die Sammlung von Inklusen (Bernsteineinschlusse), die mehr als 8500 Muster z?hlt. Zur historisch-kulturellen Abteilung geh?ren vor allem arch?ologische Fundst?cke – die Schmucksachen und die Sachen des Alltagslebens aus Bernstein der Jungsteinzeit sowie die Erzeugnisse des XVII und XVIII. Jahrhunderts. Unter diesen Ausstellungsst?cken muss man besonders die Arbeiten der alten Meister hervorheben, die als Geschenk von der Waffenkammer des Kremls an das Museum ?berreicht wurden, sowie Kopien der Bernsteinarbeiten dieser Periode, zu denen auch die wiederhergestellten Fragmente des Bernsteinzimmers und die Original- exponate des 19.Jahrhunderts geh?ren. Die letzten Jahrzehnte sind durch die Massenproduktion des Kaliningrader Bernsteinkombinats bestimmt, die in dem Zeitraum zwischen 1950-80er Jahren erzeugt wurde. Dabei sind auch einige einzigartige St?cke. Ein gro?er Teil der Ausstellung ist den Arbeiten der modernen K?nstler aus Kalinin- grad, Sankt-Petersburg, Moskau, Lettland, Litauen, Japan und der USA gewidmet. In der 30-j?hrigen Geschichte des Museums wurden mehr als 6 Millionen Besucher verzeichnet. J?hrlich werden ca.17-19 Ausstellungen in den R?umen des Museums sowie in anderen L?ndern und St?dten gezeigt. Die Exponate des Museumsfonds wurden mehrmals in vielen St?dten Russlands, der Sowjetunion, sowie in Polen, Frankreich, Japan und in der Schweiz ausgestellt. Als Partner des Bernsteinmuseums treten die gr??ten russischen und europ?ischen Museen auf. Von Interesse sind die Bildungsprogramme des Bernsteinmuseums, die auf die Kinder, Sch?ler und Studenten gezielt sind. Diese Programme beruhen auf die Kombination eines intellektuellen Spiels, der erworbenen Kenntnisse mit deren kreativen Sinnerfassung. Heute verfolgt das Museum das Ziel, ein methodisches Informations- und Wissenschaftszentrum zu werden, um sich mit den Fragen der Forschung des Bernsteins im russischen und internationalen Kontext zu besch?ftigen.
Im Museum f?r Geschichte und Kunst schloss die Ausstellung „Kant und seine Zeit“ ihre T?ren. Man kann von einem einzigartigen und bedeutenden deutsch-russischen Projekt im kulturellen Bereich sprechen.
Wie wir bereits berichtet haben, bestand die Ausstellung aus den Expositionen des Museums Stadt K?nigsberg (Duisburg, Deutschland) und zwei Kaliningrader Museen – des Museums f?r Geschichte und Kunst und des Museums der Staatlichen Immanuel Kant Universit?t. Bislang gab es in Russland keine Veranstaltung zu Ehren Kants, die ein solches Ausma? annahm. – Die Ausstellung machte Kants Werke wieder attraktiv, – so bewertete die Veranstaltung Deutschlands Generalkonsul in Kaliningrad, Herr Aristide Fenster. Das ist ein bedeutendes Ereignis in deutsch-russischen Beziehungen. Der Direktor des Museums Stadt K?nigsberg, Herr Lorenz Grimoni, hat eine erkenntnisreiche und interessante Vorlesung ?ber das Leben und Schaffen des gro?en Philosophen gehalten. Den Besuchern wurde ein japanisches Bild, datiert auf den Anfang des XX Jahrhunderts, vorgestellt, welches ?ber die Ma?st?be seines Wirkens und seine weltweite Bedeutung aussagt. Das Bild tr?gt den Titel „Vier Meister“ und zeigt eine Gesellschaft bestehend aus Buddha, Konfuzius, Sokrates und Immanuel Kant. Nicht weniger interessant waren die Schlussfolgerungen des Herren Grimoni ?ber eine m?gliche Beziehung Kants zu den Begebenheiten des vergangenen und des jetzigen Jahrhunderts: – Kant w?re gegen eine Vernichtung der Menschen mit beschr?nkten M?glichkeiten, gegen Gentechnik, gegen eine Verarbeitung von Getreide zu Brennstoff in einer Zeit der Hungersnot, gegen eine allumfassende Gewinnpolitik, die schlie?lich eine globale Krise verursachte, gegen den Egoismus und die Ignoranz, gegen die Verachtung von Interessen gro?er Menschenmassen. Der gro?e Philosoph w?rde sich f?r Menschenrechte und Gerechtigkeit als Baustein des allgemeinen Wohls einsetzen, – der Direktor des Museums Stadt K?nigsberg, der weltweit gr??ten Kantiana-Sammlung, zweifelt nicht daran. „Wir alle sind Kinder unserer Zeit“. So kommentiert die Ausstellung ein bekannter Kant-Forscher, Professor der Russischen Staatlichen Universit?t, Leonard Kalinnikov. Kants Zeit ist eine Periode, in der ein Verst?ndnis f?r die Gesamtheit der Menschheit entstand. Dieses Verst?ndnis bedingt die Vernunft und ist die Basis der heutigen humanit?ren Weltanschauung. Die Ausstellung ist geschlossen, doch nicht aufgel?st. Der Direktor des Museums f?r Geschichte und Kunst, Sergej Jakimov, merkte an, dass im n?chsten Jahr, wenn Essen zur europ?ischen Hauptstadt der Kultur ernannt wird, die Ausstellung, die einem hervorragenden Europ?er gewidmet ist, zu einem der Programmschwerpunkte wird. Herr Grimoni erz?hlt: – Im Jahr 2004 haben wir zu Kants 200-j?hrigem Todestag eine gro?fl?chige Ausstellung ?ber sein Leben und Wirken organisiert. Sie wurde von rund 30 Tausend Besuchern besichtigt. In 2010, dem 205 Jubil?um, planen wir, sie nach Kaliningrad zu bringen und den herausgegebenen Katalog ins Russische zu ?bersetzen. Ich glaube, dass es noch keine Veranstaltung eines solchen Ma?stabs in Russland gab. – Das wird ein gro?artiges Ereignis! – f?llt Sergej Jakimov seinem Kollegen unterst?tzend ins Wort. – Wobei wir planen, die Ausstellung auf einer „entgeltlichen“ Basis zu organisieren, im Rahmen eines kulturellen Austauschs. Im Gegenzug w?rde das Duisburger Museum eine Ausstellung unserer arch?ologischen Sammlung empfangen, wobei auch eine befristete Exposition ?ber die Besiedlung von Ostpreu?ens durch die Russen und das Alltagsleben der ersten Einwanderer vom gro?en Interesse w?re.
„Baltischen Saisons“ finden zum sechsten Mal in Kaliningrad statt.
Dieses Theaterfestival wurde als solide kulturelle „promotion“ der Feierlichkeiten bez?glich des 750-j?hrigen Jubil?ums der Stadt organisiert. Die Zuschauer sahen Auff?hrungen der f?hrenden russischen Theaterkollektive, Vorstellungen gro?er Regisseure und das Spiel bekannter Akteure. Und die Stadt selbst f?hlte sich zugeh?rig zu dem herausragenden Ph?nomen des „russischen Theaters“. Doch die „Baltischen Saisons“ bewiesen sich als eine tiefere Erscheinung, die auch nach den Feierlichkeiten f?hig zur Selbstentwicklung und Selbstgen?gsamkeit ist. Heute bestimmt das Festival das kulturelle Leben des Kaliningrader Gebietes grundlegend, es verst?rkt die russische kulturelle Teilnahme an den Geschehnissen Europas. Und die Einwohner des westlichen Region Russlands sind schlichtweg an die regelm??igen Treffen mit hoher theatralischer Kunst gewohnt. Denn bekanntlich gew?hnt man sich schnell an Gutes. In diesem Jahr startete das Festival nicht im Herbst, sondern im Sommer. Es wurde mit der Bekanntschaft mit der Zukunft des russischen Theaters er?ffnet – den Auff?hrungen der Studenten des Studios eines der bekanntesten Theater Russlands MChAT (Tschehow-K?nstlertheater in Moskau) und den Werken ihrer Studienkollegen – angehender B?hnenmaler. Und das Programm „Theaterseptember“ zeigte dem Publikum Auff?hrungen der reifen Szenenmeister aus dem Moskauer Staatlichen Theater der Nationen und dem Zentralen Akademischen Theater der Russischen Armee, dem Peterburger Staatlichen Akademischen Theater des Ballett unter der F?hrung von Boris Eifmann und dem Akademischen Kleinem Theater unter der F?hrung von Lev Dodin, dem Gro?en Puppentheater. Zum ersten Mal nahm der Kaliningrader Dramentheater mit der Auff?hrung von Evgenij Marcelli nach Tschechows St?ck „Die G?rtner“ an dem Festival teil. Alle Theater haben ihre besten Schauspiele aufgef?hrt. Der Theater der Nationen spielte zum Beispiel „Schukschins Erz?hlungen“ unter der Regie des weltweit bekannten Regisseurs Alvis Hermanis. Die Moskauer Kritiker haben dieses St?ck als die beste Premiere der Saison bewertet, es wurde gleich in drei Nominationen mit dem Preis „Kristalline Turandot“ ausgezeichnet. Den Sankt Petersburger Hauptpreis „Die goldene Soffitte“ erwarb das Gro?e Puppentheater mit dem M?rchen „Der kleine Prinz“ des Regisseurs Ruslan Kudashow. Schon heute hat der Art-Direktor des Festivals, David Smeljanskij gro?e Pl?ne f?r das n?chste Jahr. Zum einem gibt es auch zuk?nftig die Auff?hrungen der Studenten der besten theatralischen Schulen zu sehen. Zum anderen soll die Aufnahme ins Programm des mit der Sankt Petersburger „goldenen Soffitte“ preisgekr?nten Schauspiels zur Tradition werden. Und als Letztes soll die Teilnahme der Truppe Com?die-Fran?aise mit einer Auff?hrung von Moliere zum Highlight des Jahres 2010 werden. Mit dem Erfolg des kaliningrader Theaterfestivals kann er eine noch gr??ere Anerkennung ernten. Parallel zu den szenischen Auff?hrungen in Kaliningrad laufen in Moskau die Verhandlungen zwischen dem Ministerium f?r Kultur und der Verwaltung des Kaliningrader Gebietes. Man erwartet, dass sie in einer Verleihung des f?deralen Status f?r die «Baltischen Saisons» m?ndet. Igor Kowaljow Foto: www.et-cetera.ru
In dem historisch-k?nstlerischen Museum in Kaliningrad wurde eine deutsch-russische Ausstellung er?ffnet.
Immanuel Kant geh?rt zu der Spitze des menschlichen Gedankens. Darum ging das Erbe des Deutschen aus K?nigsberg schon seit vielen Jahren ?ber den nationalen Rahmen hinaus und wurde zum Besitz der ganzen Menschheit. Seine Worte zum Beispiel ?ber den Sternenhimmel ?ber dem Kopf und das moralische innere Gesetz sind schon seit langem keine einfachen Zitate aus staubigen B?nden mehr, sondern die Ecksteine der Massenweltanschauung. F?r unsere Stadt ist Herr Kant nicht der einfache, gro?e Philosoph und die Quelle des weltweiten kulturellen Erbes. Er ist der Landsmann, der in den Jahrhunderten die Stadt verherrlichte, in der er geboren worden ist und lebenslang gewohnt hat. Der Name Immanuel Kant, wenn man die moderne Sprache benutzt, wurde im XX. Jahrhundert eine der Haupthandelsmarken zuerst K?nigsbergs und dann auch Kaliningrads. Man sagt, dass sein Grabstein an den W?nden der Kathedrale die Ruinen vom Abbruch bei der Sowjetischen Macht gerettet hat, was die M?glichkeit einer Wiederherstellung dieses majest?tischen, architektonischen Denkmales in den 90er Jahren erm?glichte. So hat Immanuel Kant sogar nach seinem Tod seiner Lieblingsstadt geholfen. In Kaliningrad finden zahlreiche, vielf?ltige Veranstaltungen statt, die dem Leben und dem Schaffen des Philosophen gewidmet sind. Diese rufen ganz gro?es Interesse herbei. Keine Ausnahme ist dabei auch die Ausstellung, die im historisch-k?nstlerischen Museum er?ffnete. „Kant und seine Zeit“ - dieser Titel sagt viel ?ber die breite Erfassung des Lebensabschnittes ?ber das Ende K?nigsbergs XVIII - Anfang XIX Jahrhunderte. Die Ausstellung ist russisch-deutsch und besteht aus den Expositionen der Museen aus Deutschland und Russland. Ihre Er?ffnung war in echter „Kant-Atmosph?re“, beim Auflauf der gro?en Zahl der G?ste. Unter ihnen der Generalkonsul der BRD in Kaliningrad, Herr Aristide Fenster. Im Gespr?ch mit dem Direktor des Kaliningrader Kreis- historisch-k?nstlerischen Museums, Hr. Sergej Jakimow, ?u?erte sich der Konsul mit der ?berzeugung, dass die Ausstellung ?ber Kant wie von dem B?rger der Welt, eine gro?e Bedeutung f?r die Entwicklung der Beziehungen zwischen Deutschland und Russland hat. Den deutschen Teil vertritt das Museum der Stadt K?nigsberg aus Duisburg. Es wurde auf Initiative von den Duisburger Bewohnern und der Landsmannschaft der ehemaligen Bewohner K?nigsbergs gegr?ndet. Keine Frage, dass dieses Museum die umfangreichste und vielseitigste Kant Sammlung hat. Darin gibt es tats?chlich fast alle Immanuel Kant-Darstellungen und seine Werke. Es werden auch die ganzen Sammlungen der M?nzen, der Medaillen, der Medaillons, der Briefmarken und der Postkarten vorgestellt, die dem gro?en K?nigsberger gewidmet sind. Der besondere Stolz aus Duisburg: der kleine Rahmen mit der Haarstr?hne und dem pers?nlichen Suppentopf von Kant. Das Museum der Stadt K?nigsberg hat 1955 zum 700. Jubil?um der Stadt die Kant- Gedenktafel wieder hergestellt. Das Original war an der Wand des K?nigsberger Schlosses in 1904 angebracht. Seinerseits war eine Kopie der Gedenktafel nach dem Projekt des Kaliningrader Architekten Igor Schelepow angefertigt worden. Diese wurde der Landsmannschaft K?nigsbergs in 1993 an die Stadt Kaliningrad geschenkt. Sie befindet sich fast an derselben Stelle, wo das Original war – an der St?tzwand des Schlossh?gels. Die russische Seite pr?sentiert die Kollektionssammlung aus zwei Kaliningrader Museen. Die Exposition des historisch-k?nstlerischen Museums hei?t „Immanuel Kant und Russland“. Herr Kant hatte nicht nur den riesigen Einfluss auf den ?ffentlichen Gedanken Russlands geleistet, er diente auch Russland*. Zu dieser Exposition geh?ren B?cher und Dokumente, die mit Kant und K?nigsberg verbunden sind. Interessant sind auch die Alltagsgegenst?nde jener Zeit, die beim Bau des Fischerdorfes in Kaliningrad gefunden wurden. Es werden auch die Arbeiten der Kaliningrader Bildhauer und der Maler vorgestellt, die dem gro?en Landsmann gewidmet sind. Das Museum der Russischen Staatlichen Universit?t namens Kant hat f?r diese Ausstellung f?nf Ausgaben aus dem Philosophen-Leben, seine B?ste und die graphischen Werke ?berlassen. Die Ausstellung zeigte auch die zahlreichen Portr?ts und die Sachen der Zeitgenossen von Kant, die Materialien der Albertine Universit?t (auch die Aufzeichnungen ?ber die Aufnahme als Student des 16-j?hrigen Immanuel und die Papiere aus der Zeit seiner Arbeit als Rektor), ?ber den Handel und ?ber die Wirtschaft in K?nigsberg. Das alles im Ganzen vermittelt einen besseren Eindruck ?ber das Bild des gro?en Philosophen und nicht eines einfachen Menschen. Als ob Sie den Kant und seine Umwelt mit den Augen seiner Nachbarn betrachten. Und das gibt einen starken Anlass f?r die eigenen philosophischen ?berlegungen.
*W?hrend des Siebenj?hrigen Krieges (1756-1763) geh?rte Ostpreu?en 4 Jahre lang zum Russischen Reich. Am 24. Januar 1758 hat der Dozent Kant zusammen mit den Lehrern der Universit?t den Eid seiner russischer Kaiserin Elisabeth geleistet.
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„Die Sch?ne und das Biest“ – so hei?t ein ber?hmtes M?rchen, und genau das hat als sch?pferische Vorlage f?r zwei deutsche K?nstler, Michael Grubber und Corbinian B?hm, gedient.
Die Sch?ne und das Biest - so ein unterschiedliches Bild ?ber Kaliningrad haben sich die beiden Autoren nach einem Monat Aufenthalt von dieser Stadt gebildet. Das Kunstwerk wurde in einer Sonderausstellung im Bernsteinmuseum pr?sentiert. Ungew?hnlich ist nicht nur das Gebilde. Das Bild selbst ist aus Bernstein hergestellt (das ist aber nichts Ungew?hnliches – es gibt kein Material, das mehr verbreitet ist, als Kaliningrader Bernstein). Ungew?hnlich allerdings ist die originelle Technik: unbehandelte Bernsteine unterschiedlicher Gr??e und Farben wurden auf das Plexiglas geklebt. Noch au?ergew?hnlicher ist die Gr??e des Kunstwerkes 2,3 x 1,34 Meter. Die Fachleute kennen diese Zahlen ganz gut. Es ist die Standardbreite und -l?nge von einem Werbebanner. Was das Motiv betrifft, so ist es ganz einfach. Eine junge Frau, die wie ein Modell aussieht, steht neben einem Auto. Im Hintergrund auf dem K?nigsberg steht ein nicht fertig gestelltes Rathaus. Wo ist die Sch?ne und wo ist das Biest??? Das entscheiden die Betrachter selbst. Manche sind ?berzeugt, dass es sich bei der Sch?nen um diese junge Frau handelt, w?hrend das Biest das teure Auto und das Geb?ude darstellt, das auch Kaliningrader „Monster“ genannt wird. Jemand meint, dass einzig Sch?ne ist das stilvolle „Coupe“ auf vier R?dern. Wieder andere sehen keine Monster, au?er eventuell die monstr?se Bildgr??e. Die Projektbetreuerin Irina Tschesnokowa h?lt diese Diskussionen f?r den Sinn dieses Kunstwerkes. Wenn das so ist, dann wurde dieses Ziel erreicht. Das Projekt, in dem deutsche K?nstler die Bilder von 5 russischen St?dten – Kaliningrad, Ekaterinburg, Nischnij Nowgorod, Moskau und Sankt Petersburg - kreieren sollen, l?uft unter dem Patronat vom Staatlichen Zentrum der modernen Kunst zusammen mit dem deutschen Goethe-Zentrum.